Politik : Der Fall Kohl: Zwei Fragen der Ehre (Kommentar)

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Sie hat es gemerkt. Angela Merkel, die Vorsitzende der CDU, hat sich doch wieder vom Ex-Ehrenvorsitzenden Helmut Kohl abgesetzt. Ein Stück weit, wie Wolfgang Schäuble sagen würde. Immerhin. Die verfolgte Unschuld nehmen Kohl sowieso nur noch diejenigen ab, die nichts von Fehltritten hören und sehen wollen. Mit seinem Verhalten hat er die neue Führung permanent herausgefordert: sich zu ihm zu bekennen, trotz allem, oder sich nach erster leichter Hinwendung aufs Neue von ihm abzuwenden. Merkel konnte nicht anders, sie musste auf Distanz gehen, oder wenigstens die bestehende deutlich machen. Sonst hätte sie die moralische Qualität ihrer ersten Abkehr vom Übervater selbst infrage gestellt. Das ist die Charakterfrage. Andernfalls wäre ja alles nur Taktik gewesen, ohne wirkliche Substanz, und die Grundlage für ihre Wahl zur Bundesvorsitzenden nach Wolfgang Schäuble wäre damit de facto entfallen. Merkel musste und muss in dieser Logik bleiben: Kohl kann um seine Ehre kämpfen, richtig. Sie aber muss um ihre eigene Ehre kämpfen. Das heißt: Merkel darf nicht zulassen, dass ihre bisher einzige kleine politische Heldentat unglaubwürdig wird. Sonst hat sie keine Zukunft in der CDU - und die CDU keine mit ihr.

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