Der Fall Kurnaz : Soldaten weisen Vorwürfe zurück

Bundesregierung und Bundeswehrsoldaten haben die massiven Vorwürfe des früheren Bremer Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz zurückgewiesen. Soldaten hätten Kontakt zu Kurnaz gehabt. Der Mann sei aber nicht misshandelt worden.

Berlin - Die Regierung dementierte die Anschuldigung von Murat Kurnaz, in dem Lager auf Kuba nicht nur 2002, sondern auch 2004 von deutschen Beamten vernommen worden zu sein. Dies berichtete das Magazin "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Zudem bestritten laut "Bild am Sonntag" ("BamS") deutsche Soldaten, die nach eigenen Angaben 2002 im afghanischen Kandahar mit dem türkischstämmigen Bremer vor seiner Verlegung nach Guantánamo sprachen, diesen misshandelt zu haben.

Kurnaz war im Dezember 2001 während einer Pakistanreise verhaftet und von dort nach eigenen Angaben in das US-Lager am Flughafen von Kandahar gebracht worden. Dort seien nach rund zwei Wochen zwei Deutsche in Uniformen mit deutschen Flaggen am Ärmel aufgetaucht, sagte er kürzlich dem Magazin "Stern". Einer habe ihn an den Haaren hochgezogen und seinen "Kopf auf den Boden geschlagen, und die Amerikaner fanden das lustig".

Kontakt zu Kurnaz

Wie die "BamS" unter Berufung auf "zuverlässige deutsche Geheimdienstquellen" berichtete, waren Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) 2002 aus Oman nach Afghanistan eingeflogen worden, um US- und kanadische Truppen im Kampf um Kandahar zu unterstützen. In Befragungen hätten deutsche Soldaten ausgesagt, dort Kontakt zu Kurnaz gehabt zu haben. Sie hätten den Mann aber in keiner Weise misshandelt.

Nach Darstellung des Bundeskanzleramts wurde Kurnaz zudem später in Guantánamo nur einmal, und zwar im September 2002, von Beamten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) sowie des Bundesnachrichtendienstes (BND) vernommen, wie die "SZ" berichtete. Eine entsprechende Information habe das Kanzleramt dem Vorsitzenden des für die Überwachung der Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremiums, Norbert Röttgen (CDU), übermittelt. Laut "Spiegel" versicherte ein von Kurnaz beschriebener mutmaßlicher Verfassungsschützer in einer dienstlichen Erklärung, nur 2002 in Guantánamo gewesen zu sein. Auch der BND schließe eine Befragung von Kurnaz im Jahr 2004 aus. Der Bremer war fast fünf Jahre von den USA als "feindlicher Kämpfer" in dem Lager auf Kuba festgehalten worden und kam erst im August frei. (tso/AFP)

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