Politik : Der Fall Osthoff – einer von vielen

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WURDE LÖSEGELD GEZAHLT?

Weder die Bundesregierung noch Sicherheitsexperten wollten diese Frage am Sonntag beantworten. Die Zahlung von Lösegeld würde vermutlich auch nie bekannt gegeben – schon um zu vermeiden, dass die nächste Terrorgruppe im Irak oder in einem anderen Land mit gezielten Entführungen die Bundesrepublik unter Druck setzt. Auch weitere Staaten, deren Bürger im Irak gekidnappt wurden, haben sich zu Lösegeldzahlungen nicht geäußert. Es gilt aber als sicher, dass beispielsweise Italien die Journalistin Giuliana Sgrena freigekauft hatte, die im März nach vier Wochen Geiselhaft von ihren Entführern freigelassen wurde.

WER SIND DIE GEISELNEHMER?

Nach der Geiselnahme hatte eine Gruppe namens „Sturmtruppen der Erdbeben“ der ARD in Bagdad ein Video zukommen lassen, auf dem vermummte Männer mit Waffen sowie Osthoff und ihr Fahrer zu sehen sind. Bei den „Sturmtruppen“ handelte es sich offenbar um irakische Kriminelle, die in ein Netzwerk nationalistischer und Saddam-treuer Widerstandsgruppen eingebunden sein könnten. In Sicherheitskreisen wird nicht ausgeschlossen, dass die „Sturmtruppen“ zwischenzeitlich die beiden Geiseln an eine andere Gruppe weiterreichten. Klar ist offenbar nur, dass Osthoff sich nicht in der Gewalt von Al Qaida befand. Wäre sie bei dem für seine Brutalität berüchtigten Al-Qaida-Statthalter Abu Mussab al Sarkawi gelandet, „hätten wir sie nicht lebend wiedergesehen“, sagte ein Fachmann dem Tagesspiegel.

WER IST NOCH ENTFÜHRT?

Abgesehen von Osthoffs Fahrer Khaled al Schimani, mit dem sie am 25. November nahe der Ortschaft Tus Churmatu gekidnappt wurde, befinden sich zahlreiche weitere Iraker und Ausländer in der Gewalt von Entführern. Seit dem Ende der Kämpfe zwischen den Amerikanern und Saddams Truppen im April 2003 wurden mindestens 200 Ausländer entführt – und tausende Iraker. Die politisch motivierten oder einfach nur geldgierigen Kidnapper haben mehr als 50 ausländische Geiseln und eine unbekannte Zahl Iraker ermordet. fan

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