Politik : Der Fall Pinochet: General belastet Ex-Diktator schwer

Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet ist am Freitag nach belastenden Aussagen des Generals im Ruhestand, Joaquin Lagos, in das Militärhospital in Santiago gebracht worden. Der 85-Jährige habe in der Nacht über ein "allgemeines Unwohlsein" geklagt, hieß es. Fast zeitgleich hatte ihn Lagos durch Berichte über Gräueltaten der so genannten "Karawane des Todes" schwer belastet. Diese Einheit habe auf Befehl Pinochets unmittelbar nach dem Putsch im September 1973 insgesamt 14 Häftlinge im Norden des Landes grausam gefoltert und dann erschossen, sagte Lagos im staatlichen Fernsehen. Ursprünglich hatte Pinochet dem General die Verantwortung für etwaige Menschenrechtsverletzungen zugeschoben.

"Es fiel mir schwer, weil ich mich schämte, sie (die Leichen) anzusehen. Sie waren verstümmelt. Es waren schon keine menschlichen Körper mehr. Ich wollte sie zurechtmachen lassen. Aber es ging nicht: Sie hatten ihnen die Augen mit Haken herausgerissen, die Kiefer zertrümmert und die Beine gebrochen und schließlich den Gnadenstoß gegeben", berichtete der General im Ruhestand. Die Leichen seien so verstümmelt gewesen, dass sie den Angehörigen gar nicht hätten übergeben werden können. Für diese Untaten seien Pinochet und der Kommandant der "Karawane des Todes", General Arellano Stark, verantwortlich, betonte Lagos.

Er selbst habe Pinochet sogar einmal bei einem Unterredung vor den Folgen der Massaker gewarnt. "Vergessen Sie nicht, dass man uns früher oder später anklagen wird, besonders Sie als Oberbefehlshaber der Streitkräfte", habe er Pinochet gesagt.

Pinochet soll hingegen am Dienstag im Verhör durch den Untersuchungsrichter Juan Guzman bestritten haben, jemals Exekutionen oder das Verschwindenlassen politischer Gegner befohlen zu haben. Er habe Stark nur beauftragt, Prozesse gegen politische Gegner "zu beschleunigen", sagte der 85-Jährige chilenischen Medienberichten zufolge. Für die Umsetzung dieses Befehls seien auch "die jeweiligen Garnisonskommandanten zuständig" gewesen, soll Pinochet gesagt haben. Guzman wirft Pinochet Anstiftung und Beihilfe zu Mord in 57 Fällen und zu Entführung in 18 Fällen durch die "Karawane des Todes" vor. Guzman muss entscheiden, ob Pinochet vor Gericht gestellt oder das Verfahren wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt wird.

Wie der Untersuchungsrichter weiter berichtete, habe Pinochet trotz körperlicher Gebrechen bei seinem ersten Verhör offenbar keine geistigen Probleme erkennen lassen. "Er erschien mir als äußerst normale Person", sagte Guzman. Pinochet habe lediglich Mühe beim Gehen. Zugleich bescheinigte der Richter dem General im Ruhestand ein hohes Maß an "Ritterlichkeit und Mut". Nach chilenischem Recht gelten nur Geistesschwäche oder Geisteskrankheit als Prozesshindernis, nicht aber körperliche Leiden. Nach einem medizinischen attestierten Ärzte Pinochet "mäßige Demenz". Seine Anwälte sprechen ihm jede Verhandlungsfähigkeit ab.

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