Politik : Der Fluch der Seuchen: Künast gibt Entwarnung

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In Neuss und Aachen sind zwei Sperrbezirke eingerichtet worden, um zu verhindern, das sich die Maul- und Klauenseuche auch in Deutschland ausbreitet. Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) gab dennoch Entwarnung. Es gebe "keinen echten Verdachtsfall in Deutschland" teilte ihr Ministerium mit. Die Tests an zwei Schafen mit Antikörpern gegen die Viren seien negativ. Bei den getöteten 1830 Schafen aus Nordrhein-Westfalen habe lediglich ein "Anfangsverdacht" bestanden, der sich nun zerstreut habe. Von einer Krise könne keine Rede sein.

Die ersten Seuchenverdachtsfälle in Deutschland waren am Dienstag auf Höfen in Neuss und Aachen aufgetaucht. Bei ersten Tests waren bei drei von 30 Proben aus Neuss und zwei von 25 Proben aus Aachen Antikörper gegen die Klauenseuche nachgewiesen worden. Um die betroffenen Höfe waren noch am Dienstag Sperrzonen eingerichtet worden, in denen Tiertransporte verboten sind. Die Herden wurden getötet. Wegen der in Großbritannien grassierenden Seuche wurden alle Viehmärkte für eine Woche geschlossen.

Mit der von Bund und Ländern beschlossenen Schließung der Viehmärkte war in Deutschland bereits am Dienstag begonnen worden. Anlieferungen an Schlachthöfe sind weiter erlaubt. Mehrere Bundesländer forderten die Landwirte auf, den Transport von Tieren auf ein Minimum zu beschränken.

Bereits zu Wochenbeginn waren an deutschen Flug- und Seehäfen die Kontrollen von Reisenden aus Großbritannien verstärkt worden. Vorgesehen ist weiter, alle Tiere zu töten, die aus von der Seuche befallenen britischen Tierbeständen stammen.

In Großbritannien hatte sich die Maul- und Klauenseuche bis zum Mittwochnachmittag auf 22 Bestände ausgebreitet. Die Regierung kündigte Entschädigungszahlungen für Bauern in Höhe von umgerechnet 510 Millionen Mark an.

Nach der erfolglosen EU-Agraministerkonferenz in Brüssel war es Renate Künast gestern wichtig, darauf hinzuweisen, dass es "keine Konfrontation" zwischen ihr und EU-Agrarkommissar Franz Fischler gebe. Künast werde weiterhin verhindern, dass die EU ein neues Massentötungsprogramm für Rinder verabschiedet, mit dem der eingebrochene Rindfleischmarkt gestützt werden soll. Sie sei nicht nur aus moralischen Erwägungen gegen die Massenvernichtung von Rindfleisch, sondern auch um das Geld sinnvoller für eine andere Agrarpolitik einzusetzen. Sollte die EU-Kommission jedoch ihr Vorhaben durchsetzen, wird sich Künast dem Gemeinschaftsrecht beugen müssen. Das Landwirtschaftsministerium hatte gestern noch eine Entwarnung parat: Die Nachfrage nach Rindfleisch könnte eventuell wieder anziehen, und somit könnten die Preise steigen. Ist das Fall, muss Deutschland nicht die von der EU vorgeschriebene Menge Rinder töten und vernichten.

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