Politik : Der fünfte Versuch

Der Däne Jessen-Petersen verwaltet jetzt für die UN das Kosovo

Markus Bickel[Pristina]

Vor zwei Monaten hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan Søren Jessen-Petersen zum Leiter der Übergangsverwaltung der UN im Kosovo (Unmik) ernannt, am Montag trat der Däne sein Amt an. Der 59-Jährige ist seit Einrichtung der Protektoratsverwaltung im Juni 1999 der fünfte Sondergesandte auf dem mit umfassenden Machtbefugnissen ausgestatteten Posten.

Jessen-Petersen löst den glücklosen Finnen Harri Holkeri ab, der nach zehn Monaten im Unmik-Hauptquartier in Pristina aufgab. Zuvor hatten der deutsche Karrierediplomat Michael Steiner, Jessen-Petersens Landsmann Hans Haekkerup und der Franzose Bernard Kouchner die Geschicke des Protektorats bestimmt. Fünf Jahre nach Beginn der UN-Herrschaft verbleibt dem gelernten Journalisten und Rechtsanwalt wenig Zeit, die Probleme in der mehrheitlich albanisch besiedelten, völkerrechtlich aber zu Serbien-Montenegro gehörenden Provinz anzugehen: Mehr als sechzig Prozent der zwei Millionen Einwohner sind arbeitslos, Hilfsgelder schwinden, was zu Unruhen führen könnte. Bereits im März waren innerhalb weniger Stunden über 50 000 Demonstranten in allen größeren Städten des Landes auf die Straße gegangen. Nach einer Studie des UN-Entwicklungsprogramms ist die Zustimmung für Unmik innerhalb eines Jahres um vierzig Prozent zurückgegangen.

Da im Oktober Parlamentswahlen stattfinden, dürfte der Druck auf Unmik zunehmen, die in der Sicherheitsratsresolution 1244 von Juni 1999 offen gehaltene Statusfrage des Kosovo zu klären. Eine große Mehrheit der Bevölkerung verlangt die Unabhängigkeit der in Titos Jugoslawien autonomen Provinz, eine Forderung, die die Vertreter der serbischen Minderheit entschieden ablehnen. Entsprechend der Resolution kann nur der Sicherheitsrat über eine Ablösung von Serbien-Montenegro entscheiden.

Anders als sein Vorgänger Holkeri hat Jessen-Petersen bereits umfassende Erfahrungen auf dem Balkan gemacht. Anfang des Jahres ist er zum EU-Sondergesandten für Mazedonien ernannt worden, davor hatte er drei Jahre lang die regionale Migrations-, Asyl- und Flüchtlingsinitiative des EU-Stabilitätspakts für Südosteuropa geleitet. Seit Beginn der 90er Jahre arbeitete er für das Flüchtlingshochkommissariat der UN, zuletzt als Vizehochkommissar in Genf. Während des Kosovokrieges 1999 koordinierte er die Operationen zur Unterstützung der Flüchtlinge.

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