Politik : Der Gaststättenverband hofft auf das Modell Österreich

Barbara Junge

Berlin - Im Rosenau in Tübingen sind die Hälfte aller Plätze für Nichtraucher reserviert. Und der Besitzer des Restaurants, Ernst Fischer, will gerne noch mehr rauchfreie Tische decken. Die Nachfrage ist enorm. Wer will schon im verräucherten Lokal speisen? Im Nebenberuf steht Fischer dem Deutschen Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) vor – und als Vorsitzender hat er ein Ziel: Ein gesetzliches Verbot des Rauchens in Restaurants zu verhindern. Denn das, sagt Ingrid Hartges, stellvertretende Dehoga-Hauptgeschäftsführerin „würde an die Existenz vieler Betriebe gehen“.

In den Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium orientieren sich die Gesprächspartner nach Angaben von Hartges am österreichischen Modell. Dort wurde 2004 vereinbart, dass bis 2007 in 90 Prozent aller Lokale 40 Prozent Nichtraucherplätze zur Verfügung stehen. „Ausgenommen sind von dieser Regelung Lokale, die kleiner als 75 Quadratmeter sind und diejenigen, deren Hauptgeschäft der Verkauf von Getränken ist“, schränkt Hartges ein. Ein Rauchverbot in Kneipen und Bars also würde es in Deutschland nicht geben – setzt sich die Position des Gaststättenverbands durch.

Wer sich jetzt wohl duftende Nichtraucherräume zumindest in Speiselokalen vorstellt, wird vermutlich auch in Zukunft häufig enttäuscht werden. Nichtraucherplätze bedeuten nicht Nichtraucherräume. Vielmehr will der Verband seine Mitglieder dazu animieren, Nichtraucherbereiche durch Raumteiler, Rauchbarrieren wie Pflanzen und Rauchabzugssysteme zu schaffen. Hohe Decken, Klimaanlagen oder ein befristetes Rauchverbot auf die Zeit, wenn hauptsächlich gegessen wird, also zwischen 19 und 22 Uhr, sind weitere Vorschläge, für die der Verband werben will. Die Umsetzung steht auf einem anderen Blatt. Denn, so räumt Hartges ein: „Die Mitgliedschaft bei uns ist freiwillig.“

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