Politik : Der Gegenschlag: Die Angst, selbst ein Ziel zu werden

Andrea Nüsse

Während die Bombenangriffe auf Afghanistan weitergehen, versucht der britische Premierminister Tony Blair die arabische Welt davon zu überzeugen, dass sich der Feldzug nicht gegen den Islam richtet. Dazu ist Blair zunächst nach Oman gereist, hat sich mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate getroffen und wird am Donnerstag nach Ägypten weiterreisen.

Den arabischen Ländern, die sich gleichzeitig am Mittwoch beim Gipfel der Organisation islamischer Staaten in Doha trafen, wäre ein Versprechen lieber, dass es auch in Zukunft keine Angriffe auf arabische Länder geben wird. Denn diese Angst beherrscht die arabische Welt, seit die USA dem UN-Sicherheitsrat mitgeteilt hatten, dass sie möglicherweise auch andere Länder außer Afghanistan angreifen würden.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Blairs Besuch in Oman kurz nach Beginn der Angriffe auf Afghanistan war Sultan Qabus wahrscheinlich gar nicht so recht. Denn er hat das Augenmerk darauf gerichtet, das derzeit 23 000 britische Soldaten an einem gemeinsamen Manöver mit der Armee des Wüstenstaates teilnehmen. Dieses Manöver, zu dem Großbritannien 24 Kriegsschiffe geschickt hat, war bereits seit Jahren geplant.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur des Landes, ONA, haben sowohl Sultan Qabus als auch Außenminister Jussuf bin Alawi bin Abdullah mehrfach dementiert, dass sich die britischen Soldaten vom Boden Omans aus sich an Angriffen gegen Afghanistan beteiligen könnten. Alle arabischen Staaten lehnen die Teilnahme an Angriffen gegen Afghanistan ab.

In Ägypten trifft Blair Präsident Hosni Mubarak, der sich am Dienstag so eindeutig wie nie zuvor hinter die Luftangriffe auf Afghanistan gestellt hat. Dieser wird ihm dann auch die Position der Islamischen Staaten übermitteln, die sich am Mittwoch in Doha auf eine gemeinsame Position einigen wollten. Hatten alle Staaten mit Ausnahme Iraks die Anschläge in den USA verurteilt, so sind sie jetzt jedoch uneinig über die Beurteilung der amerikanisch-britischen Luftangriffe. Während Irak, Iran und Sudan und auch Malaysia diese kritisiert hatten, stellten sich viele andere Staaten vorsichtig hinter sie.

Die Außenminister hatten bei ihrem Vorbereitungstreffen am Dienstagabend erklärt, die Militäraktionen dürfen sich nur gegen "Verantwortliche der Terroranschläge" richten und gegen niemanden sonst. Katars Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani forderte im Namen der 57 Außenminister "Beweise für die Schuld der Verdächtigen". Außerdem rief er die UN auf, eine internationale Anti-Terror-Konferenz einzuberufen, auf der es gelte, zwischen Terrorismus und Befreiungskampf zu unterscheiden. Auch Israels "Staatsterrorismus" prangerte er im Namen der islamischen Welt an.

Die Taliban-Regierung wiederum wandte sich an die Organisation Islamischer Staaten mit der Bitte, die Vereinigten Staaten und Großbritannien davon zu überzeugen, wieder mit Afghanistan zu verhandeln, anstatt es zu bombardieren.

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