Politik : Der Geist der reinen Lehre

Die in Rom versammelte Synode schließt kirchliche Reformen aus

Paul Kreiner[Rom]

Drei Wochen lang haben 256 Bischöfe aus allen Kontinenten plus 50 weitere eigens geladene Fachleute im Vatikan beraten; mit einer Messe auf dem Petersplatz und einem Mittagessen beim Papst ging die Versammlung am Sonntag zu Ende. Papst Benedikt XVI. sprach während des Gottesdienstes am Sonntag zum ersten Mal seit Beginn seines Pontifikats vor einem halben Jahr zudem fünf Geistliche heilig. In ihrer öffentlichen Botschaft zum Abschluss der Synode beklagen die Bischöfe indes die Gefahren, von denen die Welt in immer stärkerem Maße bedroht sei. Dazu zählen sie „Säkularisierung, religiöse Gleichgültigkeit und die verschiedenen Ausdrucksformen des Relativismus“.

Die Zahl der Naturkatastrophen, so schreiben die Bischöfe, scheine sich mit immer größerer Geschwindigkeit zu vervielfachen. Krieg, Hunger, Terrorismus, Ungerechtigkeit und extreme Armut bedrohten das tägliche Leben hunderter Millionen von Menschen. „Diese Leiden schreien zum Himmel und provozieren das menschliche Gewissen. Was wird aus dem globalen Dorf, das angesichts der Umweltprobleme in Gefahr schwebt, sich selbst zu zerstören? Was tun, damit im Zeitalter der Globalisierung die Solidarität über Leid und Elend siegen kann?“

Erstmals seit 20 Jahren sind „auf gütigen Ratschluss“ Benedikts XVI. auch die Diskussionsergebnisse der Synode veröffentlicht worden. Diese „Propositiones“, die „Vorschläge“, waren bisher dem Papst vorbehalten; da die Synode selbst keinerlei Beschlussrecht hat, blieb es ihm überlassen, die Anregungen der Bischöfe zu gewichten und aus ihnen, in eigener Autorität, ein „nachsynodales Schreiben“ zu erstellen. Dass diese Zusammenfassungen bisher in der Regel einige Jahre auf sich warten ließen, zählte zu den Kritikpunkten in der Synode. Diesmal liegen die 50 Vorschläge auf dem Tisch. Sie spiegeln jedoch die „Offenheit und Unbefangenheit“ der Wortmeldungen im Plenum, die allseits gerühmt wird, kaum wider.

So wurde in der Diskussion beispielsweise die „dringende seelsorgerliche Notwendigkeit“ anerkannt, den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu überdenken; in den Vorschlägen an den Papst jedoch wird, ohne weitere Anregung, die bisherige Lehre bekräftigt.

Die Bischöfe beklagen den praktisch weltweiten Priestermangel. Über das „Gebet“, die „Förderung der Berufungspastoral“, und die „bessere Verteilung des Klerus über die einzelnen Länder“ hinaus unterbreiten sie allerdings keine Lösungsvorschläge. Auch wenn Fachleute in der Synodenaula gerade bei diesem Diskussionspunkt eine „deutliche Unruhe“ unter den Bischöfen festgestellt haben, bekräftigen diese dem Papst gegenüber den „unschätzbaren Wert des Zölibats“; ferner lehnen sie die Weihe „bewährter“, verheirateter Männer zu Priestern als „nicht gangbaren Weg“ nachdrücklich ab.

Die Synode fordert ferner eine Bekräftigung des Sonntags als eines arbeitsfreien Tags. „Politiker und Gesetzgeber“ sollen nur dann zur Kommunion zugelassen werden, wenn sie „keine Gesetze gegen das umfassende Wohl des Menschen, die (soziale) Gerechtigkeit und das Naturrecht erlassen“. Die Entscheidung im Einzelfall wird jedoch „der Stärke und der Klugheit der Bischöfe angesichts der konkreten örtlichen Situation“ überlassen.

Unzufriedenheit hatte sich unter den Bischöfen zuletzt insbesondere wegen der praktisch nicht eingegrenzten Weite der Gesprächsthemen breit gemacht. Selbst Synodensekretär Roland Minnerath, Erzbischof von Dijon, vermisste in seiner Schlussbilanz die „vertiefte Diskussion“ zu den einzelnen Themen. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann kritisierte, gerade zur wichtigen Frage des Priestermangels habe er „nur Aperçus und Details“ gehört; für eine „differenzierte Diskussion“ sei kein Platz gewesen. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller meinte, man könne „von dieser Synode keinen neuen Frühling in der Kirche erwarten“. Es sei nur darum gegangen, wie man die Messfeier für das kirchliche Leben „fruchtbarer machen“ könne.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar