• Der Genossen Trend Knapp 475 000 Sozialdemokraten dürfen abstimmen. Sind die Alten ausschlaggebend oder eher die Inaktiven?

Politik : Der Genossen Trend Knapp 475 000 Sozialdemokraten dürfen abstimmen. Sind die Alten ausschlaggebend oder eher die Inaktiven?

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Am 14. oder 15. Dezember soll das Ergebnis der Mitgliederbefragung der SPD vorliegen. Dann weiß das Land, wie es weitergeht in Berlin. Mit einer Sonderausgabe der Parteizeitung „Vorwärts“ ist der Koalitionsvertrag an die knapp 475000 Mitglieder verschickt worden, auch auf der Webseite ist er zu lesen. Regionalkonferenzen begleiten die Stimmabgabe, die anonym per Brief erfolgt.

Umfragen zur Stimmung unter den Mitgliedern sind nicht bekannt. Tim Spier, Politikwissenschaftler in Siegen, meint: „Es kann knapp werden, es ist aber kaum einzuschätzen, ob es nicht doch eine Überraschung gibt.“ Also eine Ablehnung des Koalitionsvertrags. Spier hat die politischen Einstellungen der Parteimitglieder untersucht (die Daten stammen aus dem Jahr 2009, sind also relativ aktuell) und festgestellt, dass sich die SPD-Basis deutlich links von der SPD-Wählerschaft einordnet (siehe Grafik). Wenn auch nicht ganz so links wie die Grünen-Basis und die Mitglieder der Linken.

Entscheidend könnten die Älteren sein. Laut Spier ist diese Gruppe schwer einzuschätzen. Tendenziell ist sie radikaler, konfliktbereiter als jüngere Sozialdemokraten – die Angehörigen der stark politisierten Generation der „68er“ sind ja mittlerweile 60, 70, ja 80 Jahre alt. Deutlich über 40 Prozent der SPD-Mitglieder sind Rentner.

Dass die aktiven Genossen, nicht zuletzt die in der Funktionärsriege, einen deutlichen Linksdrall haben, ist bekannt. Doch wo stehen die „Inaktiven“, die man selten oder nie beim Parteiabend sieht? Die das Parteibuch nicht selten aus anderen Gründen haben als wegen der Neigung zur reinen sozialdemokratischen Lehre? Spier entnimmt seinen Daten: Je inaktiver, desto weiter rechts stehen die Mitglieder. Und zu dieser Gruppe gehören, je nach Zählung, zwischen 50 und 70 Prozent der organisierten Sozialdemokraten. „Parteichef Sigmar Gabriel hat insofern klug gehandelt, als er der gemäßigteren Gesamtbasis die Entscheidung überlassen hat. Die aktiven Funktionäre, die man auf einem Parteitag gehabt hätte, wären vermutlich kritischer gewesen“, sagt der Politologe. Nur aktivieren muss man die Inaktiven eben. 42 Prozent der SPD-Mitglieder sind in einer Gewerkschaft, so viel wie in keiner anderen Partei. Die Gewerkschaftsführungen haben angedeutet, dass sie die große Koalition unterstützen. Albert Funk

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