Politik : Der Gipfel zwischen den Gipfeln

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Von Peter Dinkloh

und Hans Monath

Der Tagungsort des G-8-Gipfels ist so abgelegen, dass er auf den meisten Landkarten gar nicht auftaucht. Der dichte Wald und die zerklüfteten Berge im Südwesten Kanadas sollen Demonstranten von dem Konferenzort Kananaskis fern halten, um Straßenschlachten zu verhindern. Beobachter kritisieren, dass die Staatsoberhäupter so legitime Demonstrationen verhindern wollen. Globalisierungsgegner werfen den Organisatoren vor, sie seien aus Angst vor Protesten in den Luftkurort „geflüchtet“. Sie wollen trotzdem unübersehbar präsent sein. Eine Vielfalt von Aktionen ist geplant, etwa Straßenproteste in Calgary, Ottawa und Montreal.

Gelegen am südlichen Ende der kanadischen Rocky Mountains ist Kananaskis der kleinste Ort, an dem sich die Vertreter der größten Industrienationen jemals versammelt haben. Es gibt drei Hotels, einen Golfplatz und einige Skipisten: Normalerweise treffen sich hier Touristen zum Wandern, Jagen oder Fischen. Der nächste größere Ort ist die ehemalige Olympiastadt Calgary, 90 Kilometer entfernt. Dort müssen auch die Journalisten unterkommen.

Ursprünglich sollte der Gipfel in der Hauptstadt Ottawa stattfinden. Doch Kananaskis ist leichter zu sichern: Zum Ort führt nur eine Zugangsstraße. Trotzdem versammeln sich die Polizisten zum „größten Einsatz von Sicherheitskräften zu Friedenszeiten in der kanadischen Geschichte“, sagt Sergeant Marc Richer. Eine Flugverbotszone wird von F-18-Kampfjets überwacht und Flugabwehrraketen, Hubschrauber sowie Panzer sind einsatzbereit. Allein in Kananaskis sind 1500 Polizisten und 5000 Soldaten im Einsatz. Diese müssen gut vorbereitet sein: Es könnte durchaus sein, dass sie sich nicht mit Demonstranten, sondern mit streunenden Bären aus den umliegenden Wäldern auseinander setzen müssen.

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