Politik : Der gläserne Besucher

Bei der Einreise verlangen die USA nun von vielen einen Fingerabdruck

Malte Lehming[Washington]

Viele Besucher in den USA fühlen sich am Einreiseschalter neuerdings wie auf der Polizeiwache. Seit Montag gelten neue Einreisebestimmungen. Einreisende müssen beide Zeigefinger auf die Glasplatte eines Scanners legen, zudem wird ein Porträtfoto gemacht. Die neuen Maßnahmen im Rahmen des Anti-Terror-Programms sind nicht nur international, sondern auch in den USA umstritten. Datenschützer und Bürgerrechtler sehen einen weiteren Angriff auf die Privatsphäre, die Tourismusindustrie fürchtet neue Einbußen.

Von den neuen Einreisebestimmungen betroffen sind jährlich rund 24 Millionen Ausländer. Ausgenommen sind 28 Staaten, darunter die meisten europäischen. Für Reisende mit deutschem Pass ändert sich nichts. Für alle anderen gilt: Jeder, der auf einem der 115 internationalen Flughäfen oder 14 größeren Seehäfen in die USA einreisen will, muss einen digitalen Fingerabdruck hinterlassen. Außerdem wird ein digitales Foto von ihm gemacht. Bei der Ausreise wird die gesamte Prozedur wiederholt.

Mit „Code Orange“, der zweithöchsten nationalen Terrorwarnstufe, haben die strengeren Bestimmungen nichts zu tun. Die Neuerungen waren vom Kongress unmittelbar nach dem 11. September 2001 beschlossen worden.

Die Daten rasen durch einen Zentralcomputer und werden auf kriminelle und terroristische Informationen hin überprüft. Die gesamte Prozedur, das versichern die Verantwortlichen der Heimatschutzbehörde, dauert im Idealfall nicht länger als zehn bis 15 Sekunden. Dies wiederum bezweifeln Tourismusexperten. Sie befürchten weitere Verspätungen im Reiseverkehr, in Stoßzeiten drohe gar ein Chaos. Sämtliche Daten, auch das versichern die Verantwortlichen, würden sicher verwahrt und nur autorisierten Behörden auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Das wiederum bezweifeln Datenschützer.

Das Programm trägt den neutralen Namen „US-Visit“. Die Abkürzung steht für „Visitor and Immigrant Status Indicator Technology“. Bis Jahresende sollen auch die 50 wichtigsten Landesgrenzen in das System integriert sein. Der Chef der Heimatschutzbehörde, Tom Ridge, begrüßte am Montag auf dem internationalen Flughafen von Atlanta persönlich die ersten betroffenen US-Besucher. Sie kamen aus Chile und Brasilien.

Die Brasilianer allerdings sind sauer. Ihr Land zählt nicht zu den 28 privilegierten. Deshalb zahlen sie es den USA jetzt mit gleicher Münze heim. Jeder Amerikaner, der in Sao Paulo eintrifft, muss dort seit Jahresanfang seinen Fingerabdruck hinterlassen. Außerdem wird ein Foto von ihm gemacht. „Anfangs waren die meisten Amerikaner ungehalten über unsere Maßnahme“, sagte ein Sprecher der brasilianischen Bundespolizei, „aber dann haben wir ihnen erklärt, dass sie bei uns nicht anders behandelt werden als wir bei ihnen. Das haben sie dann verstanden“.

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