Politik : Der Größte

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Deutschen haben ja nun Konrad Adenauer zum Größten ihres Volkes gewählt. Nun gut, die ZDF-Deutschen, aber nehmen wir die mal als repräsentativ. Da stellt sich die Frage, wen andere Völker wählen würden, und ob die viel gescholtenen Politiker auch andernorts eine Chance hätten, ganz oben zu rangieren. Dies war zumindest eine Frage, die unter Berliner Weihnachtsbäumen in peripher-politischen Kreisen überraschend rege debattiert wurde. Schließlich waren hierzulande mit Brandt und Bismarck noch zwei Kanzler unter den ersten zehn. 30 Prozent Politikeranteil: Wer hätte dies in Zeiten der Totalverdrossenheit erwartet?

Risikolos dürfte die Einschätzung sein, dass die Südafrikaner Nelson Mandela zum größten Südafrikaner küren würden. Wie Adenauer ein Staatsgründer, der aus der finsteren Vergangenheit kam. In Simbabwe müssten sie Robert Mugabe wählen, aber das zählt nicht. Dass die Polen Lech Walesa wählen, ist möglich, aber unwahrscheinlich. Die Russen küren garantiert keinen Politiker, sondern Tolstoi. Und die Brasilianer Pele. Bei den Franzosen kann man sich nicht sicher sein, ob die nicht de Gaulle oder Napoleon wählen. Moliere, Voltaire, Balzac oder Descartes wären zumindest Konkurrenten. Die Geistesgrößen hätten mit Cervantes in Spanien und Dante in Italien auch dort gute Karten. Als ausgeglichenstes Volk der Welt dürfen die Briten gelten. Bei denen sind garantiert Shakespeare, Newton und Churchill oben. Geist, Wissen und Macht. Und die Amis? Roosevelt? Thomas Jefferson? Mark Twain? Benjamin Franklin? Wenn die Deutschen für die USA abstimmen dürften, wäre es klar. Größter Amerikaner aller Zeiten ist Winnetou.

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