Politik : Der große Planer zieht sich nach Brüssel zurück

msb

Für Harald Kujat geht mit seiner Berufung auf den Nato-Spitzenposten ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Nicht nur, dass der deutsche General vom kommenden Jahr an als Vorsitzender des Militärausschusses die Geschicke der Nato entscheidend mitbestimmen kann. Kujat kehrt zudem an den Ort zurück, an dem er schon einen Großteil seiner Karriere verbracht hat - und einen guten Ruf genießt. Er hat gute persönliche Verbindungen zum US-Generalstabschef Myers, dem französischen Generalstabschef Kelche und dem Briten Admiral Boyce. Der Nato will er in der neuen Phase der Zusammenarbeit mit Russland zu Orientierung verhelfen.

Der bisherige Generalinspekteur der Bundeswehr dürfte sich zudem darüber freuen, Berlin und das Verteidigungsministerium hinter sich zu lassen: Der 59-Jährige war dort nach Angaben von Beobachtern zuletzt so frustriert, dass er seinen Wechsel nach Brüssel emsig vorantrieb. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) verliert mit Kujat den Vater der Bundeswehr-Reform; zugleich aber löst Kujats Weggang einen lähmenden hausinternen Konflikt.

Der gebürtige Westpreuße gilt als großer Planer. Gerühmt werden seine intellektuellen Qualitäten und seine internationale Gewandtheit. Im Gegenzug wird allerdings kritisch angemerkt, dass Kujats Soldatenerfahrungen schon lange zurückliegen. Vor 13 Jahren schon arbeitete Kujat als Dezernatsleiter in eben dem Militärausschuss.

Kujat war seinem Minister stets loyal, scheute aber auch den offenen Widerspruch nicht. Eine Dauerfehde lieferte sich Kujat mit Rüstungs-Staatssekretär Walther Stützle - und das auch schon mal lautstark und vor erstaunten Zeugen. Nun bleibt Kujat - trotz des verantwortungsvollen neuen Jobs - vielleicht wieder mehr Muße für seine Hobbys Fotografie und Reiten.

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