Politik : Der Handel wirft die Dosen raus

Um Bußgelder zu vermeiden, nehmen Plus und Kaiser’s Einwegverpackungen aus dem Regal

Berlin (pet/hej/ueb). Für Freunde der Dose brechen schwere Zeiten an: Nach Aldi-Süd hat sich am Donnerstag auch der Tengelmann-Konzern entschieden, alle Einwegverpackungen aus den Regalen zu verbannen. „Wir beginnen ab sofort mit der Auslistung“, sagte eine Sprecherin des Konzerns, zu dem neben Plus auch die Handelsketten Kaiser’s, Tengelmann und KD gehören, dem Tagesspiegel. Im Raum Berlin sollen Dosen und Einwegflaschen bis zum Ausverkauf für die Hälfte des Preises angeboten werden.

Der Konzern will durch die Auslistung Bußgeldzahlungen vermeiden. Die drohen dem Handel, wenn es zwischen dem grünen Bundesumweltminister Jürgen Trittin und der Wirtschaft nicht bis zum heutigen Freitag zu einer Einigung im Streit um ein bundesweites Rücknahmesystem kommt. Scheitert die Einigung endgültig, will Trittin die Schonfrist schnell beenden, die er dem Handel für die Umsetzung der Verpackungsverordnung eingeräumt hatte. Und das heißt: Händler, die Einwegverpackungen verkaufen, müssen dann auch alle Dosen und Einwegflaschen zurücknehmen, die bei der Konkurrenz gekauft worden sind. Tun sie das nicht, drohen ihnen Bußgelder bis zu 50 000 Euro. Wenn eine Einigung zwischen Trittin und der Wirtschaft nicht zustande kommt, könnten sich auch andere Handelsunternehmen kurzfristig entschließen, Dosen und anderes Einweggut ganz aus dem Sortiment zu streichen.

Unternehmen wie die Tankstellenketten Aral-BP und Shell-Dea sowie der Discounter Lidl wollen Einweg auf jeden Fall halten. Sie planen Rücknahmesysteme, die auf die eigenen Unternehmen begrenzt sind. Verbraucher könnten dann pfandpflichtige Einwegverpackungen, die sie bei Aral-BP in Berlin gekauft haben, am Ende der Reise bei Aral-BP in München zurückgeben. Damit könnte auch Trittin leben.

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