Politik : Der Hauptzeuge in Paris schweigt

Hans-Hagen Bremer

Paris - Die Untersuchung des Clearstream-Skandals um angebliche Schmiergeldkonten französischer Politiker kommt nicht voran. Während sich Jean-Louis Gergorin – einer der Protagonisten im Skandal um die mögliche Verstrickung von Premierminister Dominique de Villepin in eine gegen Innenminister Nicolas Sarkozy gerichtete Verleumdungskampagne – am Wochenende nach London absetzte, verweigerte der Hauptzeuge in der Affäre, Philippe Rondot, am Montag die Aussage. Der pensionierte Geheimdienstgeneral war am Morgen von der Polizei den Untersuchungsrichtern Jean-Marie d’Huy und Henri Pons zur Zeugeneinvernahme vorgeführt worden, nachdem er es vergangene Woche abgelehnt hatte, einer Vorladung Folge zu leisten. Ohne eine Frage beantwortet zu haben, konnte Rondot das Justizgebäude nach einer Stunde wieder verlassen.

Rondot, ein Duzfreund des Regierungschefs, war als Koordinator des Auslandsgeheimdienstes DSGE im Verteidigungsministerium am 9. Januar 2004 vom damaligen Außenminister Villepin mit der Überprüfung der von Gergorin präsentierten Listen mit angeblichen Konteninhabern, darunter Sarkozy, beauftragt worden. Nach einer Hausdurchsuchung war Rondot am 28. März 14 Stunden lang vernommen worden. Als die Zeitung „Le Monde“ aus dem Vernehmungsprotokoll und den beschlagnahmten Notizen Auszüge veröffentlichte, die darauf hindeuten, dass Villepin die Geheimdienstuntersuchung mit Wissen von Staatschef Jacques Chirac angeordnet hatte, widerrief Rondot. Seine Aussagen und Notizen seien „verzerrt“ wiedergegeben worden, erklärt er.

„Le Monde“ veröffentlichte am Montag bisher unbekannte Auszüge aus der Vernehmungsakte Rondot vom 28. März, in denen, wie „Le Monde“ meint, das Bemühen zu sehen ist, den Premier zu schützen. Aufschlussreich erscheint ein Brief Rondots vom 12. Januar 2004 an Villepin, in dem er verspricht, „nach den Worten des Präsidenten, so wie du sie mir berichtet hast“, mit Umsicht und Diskretion vorzugehen.

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