DER HISTORIKER FRITZ STERN : Seine fünf Deutschland

Am Anfang seines Lebens war Fritz Stern Deutscher. Mit einem, wie er selbst sagt, sehr deutschen Vornamen, den er zu Ehren seines Patenonkels, des Chemikers und Nobelpreisträgers Fritz Haber, bekommen hatte. Doch der Familienname Stern war sehr jüdisch und hätte für einen 1926 in Breslau, dem heutigen Wrozlaw, geborenen Jungen unter den Nationalsozialisten den Gang ins Konzentrationslager und womöglich den Tod bedeutet, wären die Eltern nicht 1938 nach New York geflüchtet.

In Amerika dann, dessen liberale Tradition Fritz Stern zutiefst am Herzen liegt, wurde er selbst Amerikaner. Entgegen der Familientradition studierte der junge Mann nicht Medizin, sondern Geschichte und lehrte fast 50 Jahre lang an der renommierten Columbia University in New York. Vor allem aber wurde er – was angesichts der persönlichen Lebenserfahrung noch um vieles eindrucksvoller wird – zu einem weltweit gefragten und fairen Beobachter der Deutschen und ihrer Geschichte. Stern hielt 1987 als erster Ausländer vor dem Bundestag die Rede zum 17. Juni zu Erinnerung an den DDR- Arbeiteraufstand 1953, ausgezeichnet wurde er unter anderem 1999 als erster Historiker mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Stern gehörte zu den fünf Historikern, die die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher 1990 einlud, um deren Meinung zur möglichen Wiedervereinigung zu hören. Er war dafür und arbeitete Anfang der 90er dann mehrere Monate für den damaligen US-Botschafter Richard Holbrooke in Bonn. Stern hat viele Bücher und Essays zur deutschen Geschichte geschrieben, in diesem Jahr wurde sein persönlichstes Werk, seine Erinnerungen, auf Deutsch veröffentlicht. „Fünf Deutschland und ein Leben“ heißen sie, erschienen sind sie im Verlag C. H. Beck. Fünf Deutschland – das sind die Weimarer Republik, die Naziherrschaft, die Bundesrepublik und die DDR und nun das vereinte Deutschland. Fritz Stern hat sie alle erlebt. Sein Rückblick ist ein Rat für die Zukunft. cir

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