Politik : „Der Irak spielt eine erhebliche Rolle“

Infratest-Chef Hilmer hält Außen- und Wirtschaftspolitik für ausschlaggebend

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Nach den TVDebatten hatte Kerry Bush in der Wählergunst überholt, jetzt liegt der Präsident in einigen Umfragen knapp vor seinem Herausforderer – was könnte das Rennen in den letzten Tagen entscheiden?

Unvorhersehbare Ereignisse, wie zum Beispiel Anschläge. Das hätte sofort Auswirkungen, gerade in einer so sensibilisierten Wahl wie dieser. Die Aussage, die unter Clinton galt: „It’s the economy stupid“, die gilt schon lange nicht mehr. Die Außenpolitik spielt seit dem 11. September 2001 eine mindestens ebenso große Rolle.

Wovon hängt der Ausgang noch ab?

Die meisten Wähler haben sich schon festgelegt. Entscheidend wird sein, wie die Wähler in den „Swing States“ abstimmen, die noch keine Mehrheit haben.

Was kann dort im Endspurt dem einen oder anderen eine Mehrheit sichern?

Entscheidend ist, wie die Mobilisierung der Unentschiedenen gelingt. Gelingt es den Demokraten, die traditionell schwache Beteiligung bei Schwarzen und Hispanics zu heben, könnte das wahlentscheidend sein.

Welche Rolle spielen die drei Fernsehdebatten für die öffentliche Meinung?

Eine zentrale, da sie von Millionen von Zuschauern verfolgt worden sind. Kerry hat in den drei Debatten gezeigt, dass er Bush Paroli bieten kann und Präsidentenformat hat. Vor den Debatten lag er noch hinter Bush, seitdem gleichauf.

Welche Bedeutung hat der Irakkrieg?

Eine erhebliche. Die Unterstützung, die Bush jetzt von Tony Blair und dem japanischen Ministerpräsidenten erhält, dürfte sich positiv für ihn auswirken. Für die Amerikaner ist der Krieg ein entscheidendes Kriterium für die Wahlentscheidung.

US-Meinungsforscher überschlagen sich in diesen Tagen mit Vorhersagen. Was lässt sich verlässlich prognostizieren?

Eine hundertprozentige Genauigkeit ist unmöglich. Vorwahlerhebungen waren in den USA zwar stets sehr nah am wirklichen Ergebnis. Aber statistische Schwankungen von ein bis drei Prozent muss man auf jeden Fall einberechnen. Die noch Unentschlossenen werden die Wahl entscheiden.

Das Gespräch führte Lars von Törne

Richard Hilmer (52) ist Chef von Infratest dimap. Das Institut gehört zu dem auch in den USA tätigen Konzern TNS Infratest. Hilmer hat in den USA mehrere Präsidentenwahlen beobachtet.

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