Politik : „Der Iran hat Fortschritte gemacht“ Experte Fitzpatrick über Teherans Atomprogramm

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Die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat, USA, Großbritannien, Frankreich, China und Russland, sowie Deutschland wollen am Mittwoch in Bagdad erneut mit dem Iran über sein Atomprogramm verhandeln. Falls diese Gespräche wieder ohne konkretes Ergebnis bleiben, wird dann ein Militärschlag der Israelis gegen die iranischen Atomanlagen wahrscheinlicher?

Ja, das ist so. Sollte der Iran bei den Gesprächen keine Bereitschaft zu einem Kurswechsel zeigen, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen israelischen Schlag noch in diesem Jahr. Von den eher technischen Gesprächen der Iraner mit der Internationalen Atomenergiebehörde erwarte ich keine Vereinbarung.

Wie weit sind die Iraner von der Produktion einsatzfähiger Atomwaffen entfernt?

Die Iraner haben an zwei Fronten Fortschritte erzielt. Zum einen sind sie weitergekommen bei der Herstellung von spaltbarem Material, das für Atomwaffen unabdingbar ist. Zum anderen kommen die Iraner bei dem tatsächlichen Bau von einsatzfähigen Waffen voran, etwa bei der Trägertechnik. Nach Aussagen der Israelis machen die Iraner beim Bau der Waffen Fortschritte, von denen andere Länder bislang noch nichts wussten. Allerdings wissen nur die Iraner selbst, wie lange es noch dauert, bis sie einsatzfähige Waffen herstellen können. Bislang besitzen sie noch keine Atombomben.

Könnten die Israelis mit einem Militärschlag das Atomprogramm beenden?

Die Israelis wissen, dass sie das Programm der Iraner durch einen Angriff nicht beenden können. Sie können die Arbeiten daran allenfalls verzögern. Für die Israelis stellen sich die Fragen: Wie weit sind die Iraner von einer Bombe entfernt? Wann wird es Zeit für einen Schlag?

Haben die Sanktionen gewirkt?

Die Sanktionen haben die strategische Entscheidung Teherans, ein Atomprogramm aufzulegen, nicht geändert. Die Sanktionen, zum Beispiel die Handelsverbote, behindern die Iraner aber beim Erwerb von Material und Wissen für ihr Atomprogramm. Und die Sanktionen haben die Iraner an den Verhandlungstisch mit den fünf Vetomächten und Deutschland zurückgezwungen.

Mark Fitzpatrick ist Direktor der Abteilung für Nichtverbreitung und Abrüstung am

Internationalen Institut für Strategische

Studien in London.

Das Gespräch führte Jan-Dirk Herbermann.

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