• Der italienische Rechtspopulist ist auch nach dem Gang in die Opposition ein politischer Faktor

Politik : Der italienische Rechtspopulist ist auch nach dem Gang in die Opposition ein politischer Faktor

Werner Raith

Die Regierungsbeteiligung der FPÖ von Österreichs Rechtsaußen Jörg Haider hat europaweit für Aufsehen und Beunruhigung gesorgt. Doch Haider ist nicht der einzige Rechtspopulist in Europa. Ab heute stellen die Korrespondenten des Tagesspiegel Haiders Geistesverwandte in den einzelnen Ländern vor.

So richtig ernst nehmen wollte den Mann aus Cassano Magnago in der Lombardei mitte der 80er Jahre niemand: Umberto Bossi schien mit seinem Lamento über die schlechte Behandlung des Nordens durch Roms Politiker eher wie einer der Dutzende Volkstribune, die irgendeinen Missstand anprangerten, um in den Gemeinderat gewählt zu werden. Doch dann errang Bossi 1987 unversehens einen Sitz im römischen Senat. Italiens Machtkartell, der "Palazzo", begann nun mit dem Mann zu rechnen. "Roma ladrona" war sein Hauptslogan, diebisches Rom: danach beutete die italienische Zentrale den arbeitsreichen Norden aus, um die Gelder dann in den faulen Süden zu pumpen. Deshalb: Los von Rom, Italien in drei autonome Republiken aufspalten. Anfang der 90er Jahre kamen dann die Sternstunden Bossis: Bei Regional- und Gemeinderatswahlen fuhr er große Erfolge ein, 1990-92 gingen fast 40 Prozent der Wählerstimmen im Norden an seine "Liga Lombarda" oder andere verwandte Gruppierungen. 1991 gründete Bossi einen Dachverband namens "Liga Nord". 1994 errang die Liga landesweit fast neun Prozent. Sie wurde Regierungspartner, da sich Bossi mit dem Mailänder Medienunternehmer Silvio Berlusconi und seiner "Forza Italia" verbündet hatte - in einer Allianz ausgerechnet mit den Neofaschisten, die zu den eingeschworenen Gegnern jeder Schwächung des Zentralstaates gehören.

Auf den Piazze und Straßen des Nordens zeitigen Bossis fremdenfeindlich Sprüche böse Früchte: Zuwanderer, mehr noch die aus dem eigenen italienischen Süden als die aus anderen Ländern, wurden gehetzt, manche sogar umgebracht, Schulen nach Apartheid-Muster gefordert, und bald wurde aus dem geforderten Förderalismus der Schrei nach richtiggehender Abspaltung. Bossi immer vornedran: Mitte der 90er Jahre rief er sogar ein eigenes "Parlament der Po-Ebene" aus, Vorstufe zur Sezession.

Mit seinen Mitte-Rechts-Regierungspartnern war derlei freilich nicht zu machen: Bossi verließ das Bündnis, brachte es zu Fall und unterstützte eine Weile das Technokraten-Kabinett von Lamberto Dini. 1996 ging er in die Opposition. Trotzdem ist Bossi bis zum heutigen Zeitpunkt ein politischer Faktor geblieben. So wird er, allem Anschein nach, derzeit gerade wieder mal aus der Vorratskammer geholt - Berlusconi braucht ihn dringend für die anstehenden Regionalwahlen.Aus der Tagesspiegel-Serie "Rechtspopulisten in Europa", Teil 1

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