Politik : Der jüngste SPD-Abgeordnete, Schneider, zum Umbruch in der Union (Interview)

Sieht die SPD nicht alt aus neben Angela Merkel un

Carsten Schneider (24) ist jüngster Bundestagsabgeordneter. Für die SPD sitzt er im Haushaltsausschuss und in der Rentenkommission.

Sieht die SPD nicht alt aus neben Angela Merkel und Friedrich Merz?

Es muss da schon ein wenig differenziert werden. Auf der Ebene der Bundespolitik ist das sicher so, dass wir eine Dominanz bei den über 50-Jährigen haben. Es gibt eigentlich kaum Leute im Mittelbereich zwischen 30 und 45 Jahren. Auf der Landeseben sieht das aber schon wieder anders aus. Da haben wir schon einige jüngere Leute in guten Positionen. Dennoch: Bei den Spitzenposten bestimmt die Garde der Alt-68er.

Es scheint ja so zu sein, dass die Union gestärkt aus der Spendenaffäre herauskommt. Neues Personal, frische Kräfte. Muss sich die SPD Sorgen um Wählerstimmen machen?

Ich hätte mir gewünscht, dass die CDU schon viel früher diesen Schnitt gemacht hätte. Für mich ist das keineswegs ein Neubeginn. Die neue CDU wird uns auch bei den nächsten Wahlen 2002 nicht gefährden. Ich finde es aber gut, dass es nun reformwillige Kräfte gibt. Leute, die die Menschen nicht nur aus populistischer Sicht sehen, sondern die für diese Menschen Politik machen wollen. Das ist erst einmal ein Gewinn für die Politik. Aber es ist sicherlich richtig, dass wir als SPD langfristig einen Nachholbedarf an jungem Personal auf Bundesebene haben ...

zumal Frau Merkel auf der Beliebtheitsskala schon vor Gerhard Schröder liegt ...

Ich sehe das ganz locker. Sie hat das bisher gut gemanagt. Aber jetzt muss sie erst einmal zeigen, dass sie eine so große Partei führen kann. Das gilt auch für Merz. Der war bisher Finanzpolitiker, jetzt muss er sich als Generalist beweisen. Die Euphorie um die CDU wird sich bald wieder legen.

Was machen denn die jungen Wilden in der SPD, werden sie ausreichend gefördert?

Nach dem Regierungswechsel sind wir hervorragend gefördert worden, weil wir breit in die Ausschussarbeit gestreut wurden. Seitdem sind Leute wie Hans Martin Bury Staatsminister oder Kurt Bodewig parlamentarischer Staatssekretär. Von Regierungsseite ist die Unterstützung da, von Fraktionsseite könnte es besser sein. Es fehlt an Planung, um es nicht dem Zufall zu überlassen. Und es fehlt an Einsicht, dass sich sonst die Alten den Kuchen aufteilen.

Läuft die SPD nicht Gefahr, dass sie die erneuerte Union unterschätzt, weil sie glaubt, die Spendenaffäre würde ihr langfristig schaden? Schleswig-Holstein hat ja bereits gezeigt, dass dies nicht stimmt.

Es war schon eine schöne Zeit, Politik zu machen, ohne das sofort eine Lobbyistenmeinung in der Zeitung stand. Ich denke aber, wir waren vor der Bundestagswahl, die Union danach leicht überschätzt. Jetzt befinden wir uns auf gleicher Augenhöhe und können uns über die Sachthemen wie Steuer- und Rentenreform auseinandersetzen. Das ist wichtig für Deutschland.Das Interview führte Armin Lehmann

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