Politik : …der Kaiser zum Papst geht

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Über den privaten Papst Benedikt ist ja sehr wenig bekannt. Deshalb sieht es so aus, als habe er zeitlebens immer nur studiert, promoviert, disputiert und andere fromme Werke verrichtet, kurz unterbrochen allenfalls von erquickendem Schlaf. Feierabend bei Ratzinger – das ist, wie er als Lateiner formulieren würde, terra incognita. Unwahrscheinlich, dass er regelmäßig mit Paprikachips und einem Schoppen Messwein vor der Glotze Platz nimmt und Sportschau guckt. Aber ist es ganz auszuschließen?

Franz Beckenbauer, der als eine Art säkularer Spartenpapst mit Benedikt ja nahezu auf Augenhöhe reden kann, wird heute eventuell mehr erfahren. Denn nach der üblichen Generalaudienz wird der Hl.Vater ihn, Rudi Völler und zwei weitere WMFunktionäre zum Gespräch treffen. Dass es dabei um beiderseitig interessierende Glaubens- und Existenzfragen gehen könnte, dürfen wir ausschließen. Ausgenommen diese: Glaubt der Papst, dass eine Chance für Deutschland existiert, den Titel zu gewinnen?

Nun müssen wir uns Benedikt in Sachen Fußball als eine Art neutralen Hirten vorstellen, der nie profane Dinge wie „Deutschland vor, noch ein Tor!“ rufen und eine Soutane mit Rückennummer und Namenszug rundweg zurückweisen würde, selbst, wenn es sich um eine Gabe des Kaisers handelt. Auch die Bitte, für die chronisch lahmenden deutschen Kicker ein klein wenig göttlichen Beistand zu organisieren, dürfte bei ihm auf taube Ohren stoßen. „Unsern Freistoß segne Gott, unsern Elfer gleichermaßen“ – nein, das würde zweifellos mit einer gelb-roten Enzyklika geahndet. Zumal ja nicht auszuschließen ist, dass andere Mannschaften ebenfalls ihre geistlichen Oberhäupter mobilisieren und dann aus der WM eine Art Religionskrieg machen.

Benedikt wird wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als sich insgeheim mit den Spitzen des deutschen Fußballs über Bananenflanken, Fallrückzieher und die Geheimnisse der Abseitsfalle auszutauschen – und dann im nächsten Jahr mit einem allgemeinen Aufruf für faire Spiele und gegen die unchristlichen Verirrungen des Hooliganismus an die Öffentlichkeit zu treten. Die Seligsprechung des Franz von München steht noch nicht zur Entscheidung an.

Möglichweise kann die deutsche Delegation den Papst heute noch zu einem Zugeständnis bringen. Es würde beim Beilegen eines uralten Zwistes helfen, wenn er aus diesem Anlass endlich und endgültig Klarheit schaffen könnte über das dritte Tor von Wembley. Sie müssten oben in ihren Archiven ja noch ein paar alte Aufzeichnungen aus der senkrechten Draufsicht haben. bm

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