Der Kandidat : Peer Steinbrück nimmt die Herausforderung an

Sich als Spitzenmann zu empfehlen, dafür hat er in den vergangenen Wochen viel getan. Wo immer er auftrat, war zu spüren: Hier verfolgt einer ein Ziel – und das mit Energie. Jetzt ist Peer Steinbrück angekommen.

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Peer Steinbrück (SPD) am Freitag im Willy-Brandt-Haus.
Peer Steinbrück (SPD) am Freitag im Willy-Brandt-Haus.Foto: dpa

Plötzlich kommt Bewegung in die strenge Miene von Peer Steinbrück. Gerade hat er noch mit zusammen gezogenen Augenbrauen ins Atrium des Willy-Brandt-Hauses geblickt, die Mundwinkel weit nach unten gebogen. Es ist ja auch ein ernster Moment, wenn man zum sozialdemokratischen Herausforderer von Angela Merkel ausgerufen wird. Doch urplötzlich löst sich die Maske, der 65-Jährige fängt an, breit übers ganze Gesicht zu strahlen.

Den Ex-Finanzminister begeistert in diesem Moment nicht die Ankündigung von Parteichef Sigmar Gabriel, wonach der SPD-Vorstand ihn am Montag als Kandidaten nominieren wird. Nein, worüber er sich freut, ist der spontane Applaus, der nun aufbrandet. Eigentlich ist die Parteizentrale an diesem Tag für einen sportpolitischen Kongress der Genossen reserviert, alles geht ein bisschen durcheinander an diesem Freitagnachmittag. Die Parteibasis jedenfalls freut sich über seine Nominierung, obwohl ihm nachgesagt wird, so viel Distanz zur eigenen Partei zu halten.

Es sind nur ein paar Stunden, in denen die Ordnung der SPD erst im Kleinen aus dem Ruder läuft und dann im Großen sehr schnell wieder hergestellt wird. Geplant hat die Ausrufung und die Pressekonferenz noch vor wenigen Stunden niemand. Sie ist schlicht unausweichlich geworden.

Was war es doch harmonisch: Die besten gemeinsamen Zeiten von Angela Merkel und Peer Steinbrück:

So harmonisch wird's so schnell nicht wieder
Hach, was war es schön. Die Zeiten größter Harmonie zwischen Peer Steinbrück und Angela Merkel dürften vorerst vorbei sein.Alle Bilder anzeigen
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29.09.2012 09:14Hach, was war es schön. Die Zeiten größter Harmonie zwischen Peer Steinbrück und Angela Merkel dürften vorerst vorbei sein.

Sigmar Gabriel ist gerade in Bayern unterwegs, als ihn eine wichtige Nachricht aus Berlin überrascht. Am Donnerstagabend gegen 22 Uhr berichtet er noch zufrieden auf seiner Facebook- Seite, wie er den Bürgerdialog erlebt hat, für den er in den Freistaat gereist ist. In Bayern wird im Herbst 2013 gewählt. „Ich war gerade bei einer sehr schönen Veranstaltung zum SPD-Bürger-Dialog in Nürnberg“, teilt Gabriel mit. Dabei habe er „nicht nur viel gelernt, sondern auch eine Menge Dialogkarten eingesammelt“. Die „Dialogkarten“ hat SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles nach dem Vorbild von Obamas Wahlkampf erfunden, damit die Wähler ihre Wünsche an die Parteiführung notieren können.

Am nächsten Tag will Gabriel eigentlich eine Rede vor dem kommunalpolitischen Kongress der SPD-Landtagsfraktion in München halten. Aber dazu kommt es nicht mehr. Fraktionschef Frank Walter-Steinmeier, zu diesem Zeitpunkt noch potenzieller Anwärter auf die Kandidatur, bringt die Dinge in Bewegung. Am Donnerstagabend lässt er durchsickern, dass er nicht zur Verfügung steht. Weil da längst klar ist, dass der Parteichef sich selbst nicht vorschlagen wird, ziehen die Journalisten ihre Schlüsse. Schon um sieben Uhr am Freitagmorgen klingeln die Mobiltelefone der Pressesprecher. Gabriel sagt seine Rede ab und und macht sich auf den Weg nach Berlin.

Er muss sich beeilen, denn er muss alles daran setzen, Herr des Verfahrens zu bleiben. Die rasche Abfolge von Meldungen in den vergangenen Wochen, wonach er selbst aus dem Rennen längst ausgeschieden sei und Steinbrück als Kandidat feststehe, kratzten zunehmend an seiner Autorität. Als Parteichef ist Gabriel zwar unumstritten, er hat die SPD wieder zusammengeführt, programmatisch gestärkt und „das Gift aus den Auseinandersetzungen herausgenommen“, wie ein Vorstandsmitglied sagt.

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