Der Kinderspiegel : Flucht nach vorne

"Über Geld spricht man nicht", sagen Erwachsene häufig. Warum reden dann derzeit alle darüber, wie viel Geld Peer Steinbrück verdient hat?

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Peer Steinbrück von der SPD will Kanzler werden. Aber Angela Merkel von der CDU gibt den Job natürlich nicht einfach kampflos auf.
Peer Steinbrück von der SPD will Kanzler werden. Aber Angela Merkel von der CDU gibt den Job natürlich nicht einfach kampflos auf.Foto: dpa

Geld ist eine komische Sache. Jeder will es haben, aber verraten, wie viel sie haben, wollen die wenigsten. Denn wer nichts hat, dem ist das oft peinlich, und mancher Reiche hat Angst, dass andere neidisch werden könnten. Erwachsene sagen deshalb häufig: „Über Geld spricht man nicht“.

Über Peer Steinbrücks Geld sprechen aber gerade alle. Das liegt daran, dass Steinbrück, der in der SPD ist, gerne Bundeskanzler werden will. Den Job hat aber derzeit Angela Merkel von der CDU, die ihren Posten natürlich nicht einfach so abgibt. Deshalb strengen sich beide Parteien an, dass ihr Kandidat von den Wählern mehr gemocht wird als der von den anderen. Das nennt man Wahlkampf. Dazu gehört auch, zu erklären, warum der andere kein guter Kanzler wäre.

Vor kurzem haben Politiker von der CDU und der befreundeten FDP deshalb gesagt, dass Steinbrück sich möglicherweise von Bankern in seinen Entscheidungen hat beeinflussen lassen. Auf die Idee kamen sie, weil Steinbrück unter anderem vor Bankern Reden gehalten hat und dafür bezahlt wurde.

Mit Reden Geld zu verdienen ist für Politiker nicht verboten, und Steinbrück hat auch nie verheimlicht, dass er das tut. Wenn er aber tatsächlich beeinflusst worden wäre, dann könnte das verhindern, dass er Kanzler wird. Denn ein Kanzler darf sich zwar für Interessen stark machen, aber er muss unabhängig bleiben. Er darf nicht in die Situation geraten, dass andere seine Meinung kaufen können. Das wäre Bestechung, und die ist verboten. 

Die Angreifer dachten, sie könnten nur gewinnen. Falls Steinbrück wirklich käuflich ist, kann er nicht Kanzler werden. Falls er nichts falsch gemacht hat, hätten sie trotzdem seine Kandidatur behindert. Denn wer sich gegen Angriffe wehren muss, kann sich nicht voll auf seinen Wahlkampf konzentrieren.

Steinbrück hat so reagiert: Er hat seine Einkünfte als Redner im Internet veröffentlicht. Da kann nun jeder lesen, wer ihm wann wie viel für welchen Vortrag gezahlt hat. Das ist mehr als das Gesetz verlangt. Er hat es aber trotzdem gemacht, weil er sich so nicht nur gegen die Vorwürfe wehren, sondern auch den Spieß umdrehen kann. Jetzt könnte man theoretisch auch von den Politikern der CDU und FDP verlangen, alle Einkünfte offenzulegen. Und plötzlich steht nicht mehr Steinbrück unter Druck, sondern seine Angreifer. Auch das ist Wahlkampf.

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