• Der Konflikt um Berg-Karabach begann schon mit Stalins willkürlichen Grenzziehungen (Kommentar)

Politik : Der Konflikt um Berg-Karabach begann schon mit Stalins willkürlichen Grenzziehungen (Kommentar)

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Karabach, eine zu Aserbaidschan gehörende, aber mehrheitlich von Armeniern bewohnte Exklave, ist der Grund für die Schießorgie im armenischen Parlament. Schuld sind an dem seit elf Jahren schwärenden Konflikt weder Armenier noch Aseris. Sie löffeln lediglich die Suppe aus, die Lenin und Stalin ihnen mit willkürlichen Grenzziehungen, Gebietsreformen und Abtretungen an die Türkei eingebrockt haben. Letzteres weil Moskau in Atatürk einen Verbündeten im Kampf gegen den imperialistischen Klassenfeind wähnte. Zwar haben Armenien wie Aserbaidschan mit dem Zerfall des Sowjetreiches nominell die Unabhängigkeit erlangt. Doch blieben sie Spielball der Großmächte, die Kaukasus und Transkaukasus wegen des Öls zum Interessengebiet erklären. An ihrem Konflikt scheiterte bislang auch die Vermittlung in Karabach. Zusammen mit der Türkei versuchen die USA, Aserbaidschan langfristig in westliche Bündnisstrukturen einzubinden. Russland dagegen, das glaubt, beim Verteilungskampf um Förderquoten zu kurz gekommen zu sein, liefert über Iran Waffen an Armenien, in der irrigen Hoffnung, seine einstige Monopolstellung in der Region zurückzuerobern. Erste Ansätze zu einer Friedenslösung starben nun wohl durch die Kugeln von Attentätern. Vielleicht aber verhelfen die Kugeln auch der Einsicht zur Geltung, dass Konflikte im Zeitalter von Massenvernichtungswaffen nur durch Verhandlungen beigelegt werden können.

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