Politik : Der Kontaktmann

Der marokkanische Islamistenchef Garbusi wird mit mehreren Anschlägen in Verbindung gebracht

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London Die Hinweise auf gemeinsame Hintermänner der Terroranschläge von London und Madrid verdichten sich offenbar. Nun sucht die britische Polizei den marokkanischen Islamistenchef Mohammed Garbusi, der auch mit dem Terroranschlag am 11. März 2004 in Madrid (191 Tote) und der Bombenserie am 16. Mai 2003 in Casablanca (45 Tote) sowie dem Van-Gogh-Mord in Amsterdam im November 2004 in Verbindung gebracht wird. Er lebte seit 1974 in London und verschwand kurz nach dem Madrider Anschlag im vergangenen Frühjahr spurlos.

Die britischen und spanischen Sicherheitsbehörden, die inzwischen gemeinsam ermitteln, weil sie zunehmend glauben, dass die Attentate von London und Madrid nach dem gleichen Muster verübt wurden, schließen auch nicht aus, dass die Anstifter dieser beiden Anschläge identisch sind. „Die Vorgehensweise in London könnte an Madrid erinnern“, sagte auch Ex-BND-Präsident Hans-Georg Wieck dem Tagesspiegel am Sonntag. Allerdings sei dieser Verdacht vermutlich „nur eine von mehreren Spuren“.

Nun wird Garbusi von Interpol und dem britischen Geheimdienst weltweit gejagt. Möglicherweise nicht zufällig stand er auch mit einem der Haupttäter des Madrider Bombenserie, dem Marokkaner Jamal Zougam, in Kontakt. Mit jenem Mann, der die per Handy aktivierten Sprengsätze, welche in den Madrider Vorortzügen 191 Menschen töteten, gebaut haben soll.

Garbusi gilt als einer der Gründer der „Islamischen Kampfgruppe Marokko“ (GICM). Jene Terrorgruppe, der die Anschläge von Madrid und Casablanca zugeschrieben werden. Dem Vernehmen nach schließt die britische Polizei nicht aus, dass GICM-Terroristen nun auch in London die Bomben zündeten. Die GICM, die in den 90er Jahren in Afghanistan gegründet wurde, gilt zusammen mit der algerischen GSPC als der aktivste Al-Qaida-Terrorarm in Nordafrika und Europa mit einer starken Präsenz in Großbritannien.

Nun rächt sich möglicherweise, dass die Behörden dem Treiben von Garbusi, der seit über zehn Jahren einen britischen Pass besitzt, lange Zeit ziemlich untätig zusahen. Die Briten verweigerten sogar die Auslieferung Garbusis an Marokko, nachdem die marokkanische Polizei den Extremistenführer als einen der Hintermänner des Casablanca-Anschlags vor Gericht stellen wollten. Es lägen „nicht genügend Beweise“ für eine Verhaftung Garbusis vor, meinten die britischen Behörden damals. Westliche Geheimdienste glauben inzwischen auch, dass Mohammed Garbusi zum berüchtigten Al-Qaida-Führer im Irak, Abu Mussab al Sarkawi, einen heißen Draht hat.

Auch eine weitere GICM-Führungsfigur dürfte nun erneut unter Verdacht geraten: Der Marokkaner Abdelkarim Mejjati, der als militärischer Chef der GICM bezeichnet wird und zu den weltweit meistgesuchten Terroristen zählt. Mejjati wird wegen seiner radikalen Hasstiraden gegen den Westen und seiner reichen Herkunft in seinem Heimatland auch als „bin Laden Marokkos“ bezeichnet. Er wird mit praktisch allen größeren Terroranschlägen der vergangenen Jahre in Verbindung gebracht. ze/sib

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