Politik : Der lachende Dritte

Liberaler Clegg sticht im TV-Duell Premier Brown und Tory-Chef Cameron aus

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Kameratauglich. Liberaldemokrat Nick Clegg in der Fernsehdebatte. Foto: dpa
Kameratauglich. Liberaldemokrat Nick Clegg in der Fernsehdebatte. Foto: dpaFoto: dpa

Fast zehn Millionen Zuschauer haben am Donnerstagabend die erste TV-Debatte in der Geschichte Großbritanniens verfolgt – und das Urteil des Landes war am Ende klar: Der Außenseiter, Nick Clegg von den Liberaldemokraten, war der Sieger. In einer Blitzumfrage der Zeitung „Times“ unmittelbar nach der Sendung sahen ihn 61 Prozent als den Gewinner, in zwei anderen Umfragen lag er mit 51 und 43 Prozent ebenfalls an der Spitze. Premierminister Gordon Brown landete in allen Umfragen auf dem dritten Platz hinter Tory-Chef David Cameron.

Nach der allgemeinen Überzeugung der Briten hat die Debatte den bis dahin sterilen Wahlkampf in Großbritannien belebt und die Karten neu gemischt – nicht nur für die kommende Wahl. „Ich wollte zeigen, dass es eine Alternative zu den beiden alten Parteien gibt. Ich weiß, viele von Ihnen denken, dass alle Politiker gleich sind. Ich wollte zeigen, dass dies nicht wahr ist“, sagte Clegg in seinem Schlusswort.

Locker und forsch, die Hand in der Hosentasche, griff er von seinem Pult rechtsaußen die Kontrahenten Cameron und Brown immer wieder an. „Je mehr Sie sich attackieren, desto ähnlicher werden Sie sich“, sagte der 43-Jährige.

Der gelungene Auftritt Cleggs schlug sich auch gleich in den Meinungsumfragen nieder: Einer Befragung im Anschluss an die Debatte zufolge machten die Liberaldemokraten einen riesigen Satz und legten 14 Prozentpunkte zu. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die Liberaldemokraten diesen Zugewinn lange halten können. Lord Ashdown, ein ehemaliger Chef der Partei, meinte hinterher, dass die Debatte dem Wahlkampf eine Wende gegeben habe. „Aber es wird zwei weitere Debatten geben, und nun, wo die Wahl ein Rennen mit drei Pferden ist, werden sie uns attackieren.“

Die Tories haben die Liberaldemokraten im Wahlkampf bisher ignoriert. Auch Cameron folgte im Verlauf der Debatte dieser Linie, was aber beim Publikum schlecht ankam. Brown versuchte, mit Clegg gemeinsame Sache zu machen. Er weiß, dass er nach der Unterhauswahl am 6. Mai auf die Liberaldemokraten angewiesen sein könnte, um Regierungschef zu bleiben. Die Tories werden sich gefragt haben, ob die Debatte ein taktischer Fehler war. Cameron hatte diese direkte TV-Konfrontation gefordert, um den unbeliebten Premier Brown bloßzustellen. Brown ließ sich auf die Debatte ein, weil er in Umfragen abgeschlagen war und wenig zu verlieren hatte. Nun war der bisher vielen Briten unbekannte Clegg der lachende Dritte. Er hat seine Rolle als potenzieller Königsmacher unterstrichen.

Zwar haben die Liberaldemokraten nach dem britischen Mehrheitswahlrecht keine Chance, eine Regierungsmehrheit zu erringen. Aber mit dieser TV-Debatte ist die Möglichkeit eines „hung parliament“, bei dem es keine Mehrheit gibt, ein Stück näher gerückt. Einige Umfragen deuten darauf hin, dass eine Mehrheit der Briten inzwischen eine solche Lösung für am besten hält, weil Politiker zum Kompromiss gezwungen werden. Clegg hat ihnen den Weg in diese Richtung gezeigt. Das könnte bis über die Wahl hinaus von Bedeutung bleiben. Dies wäre der Fall, wenn sich Liberaldemokraten und die Labour-Partei zusammentun, um mit einer Wahlrechtsreform ein echtes Mehrparteiensystem zu schaffen.

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