Politik : Der lernfähige Herr Kinnock (Kommentar)

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Die Bilder sind noch in guter Erinnerung: Die stolze Madame Cresson, die in und um Brüssel ein System der Günstlingswirtschaft installierte, aber ihr eigenes Fehlverhalten nicht einräumen wolle. Der nette Herr Santer, der die EU-Kommission tapfer führte, aber dennoch den harten Urteilsspruch unabhängiger Prüfer nicht abwenden konnte: Es gibt in der ganzen EU-Kommission niemanden, der für Missmanagement, Vetternwirtschaft und Korruption letztlich verantwortlich zu machen ist. Dieses Urteil führte im vergangenen Jahr zum Sturz der alten Kommission des Luxemburgers Jacques Santer. Sein Nachfolger Romano Prodi müht sich inzwischen redlich, in der Kommission aufzuräumen. Die ersten Schritte, die der Italiener im vergangenen Jahr beim Umbau der EU-Verwaltung unternahm, haben immerhin für Publizität gesorgt. So wird es künftig keine nationalen Erbhöfe bei der Vergabe der begehrten Generaldirektoren-Posten mehr geben. Jetzt aber geht es ans Eingemachte. Denn darüber, ob die Kommission der Europäischen Union wirklich bürgernah, effizient und transparent arbeitet, entscheiden am Ende nicht die Brüsseler Spitzen. Es sind die 18 000 Kommissionsbeamten, die den Vorwurf entkräften müssen, in Brüssel sei der Schlendrian eingerissen. Neil Kinnock hat jedenfalls aus seiner Zeit in der Santer-Kommission gelernt: Besonders das Vorhaben des EU-Kommissars, die Finanzkontrolleure künftig in den betroffenen Abteilungen arbeiten zu lassen, dürfte sich demnächst bezahlt machen.

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