Politik : Der linke Erdrutsch blieb aus

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Von Thomas Migge, Rom

Piero Fassino, der Sekretär der italienischen Linksdemokraten, ist erleichtert. „Das politische Erdbeben, das uns Berlusconi angedroht hatte, blieb aus“, sagt er. Tatsächlich gab es bei den Kommunal- und Provinzwahlen in Teilen Italiens keinen eindeutigen Sieger. Die Stadt Reggio Calabria geht nach rechts. Genua bleibt links, auch wenn der rechte Konkurrent allen Umfragen zufolge neuer Bürgermeister der norditalienischen Hafenstadt werden sollte. Kandidaten des Mitte-Links-Bündnisses gewannen außerdem in fünf anderen Großstädten. Zehn Kommunen hingegen gingen an „die Leute der Regierung“, klagt Fassino. Das Mitte-LinksBündnis gewann in drei Provinzen, die politische Konkurrenz in vier Provinzen.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte der linken Opposition in den Tagen vor den Wahlen ein verheerendes Wahlergebnis prophezeit. „Meine Regierungsmannschaft hat im letzten Jahr so gut gearbeitet“, so der Regierungschef, dass „die Italiener das mit Sicherheit zu honorieren wissen.“ Damit auch möglichst viele wahlberechtigte Italiener an die Urnen gingen, wurde nicht nur am Sonntag, sondern auch noch am Montag bis 15 Uhr gewählt. Doch trotz dieser Verlängerung blieben insgesamt 25 Prozent aller Wahlberechtigten zuhause. Am Wetter kann es nicht gelegen haben, denn das war ganz und gar nicht gut.

„Die hatten einfach keine Lust, wählen zu gehen“, meint Italiens angesehenster Wahlforscher, Renato Mannheimer, „denn schon seit Jahren wurde kein Wahlkampf so lustlos geführt.“ Woran das lag, kann sich auch Mannheimer nicht richtig erklären. „Vielleicht liegt der Grund darin, dass das Mitte-Rechts-Bündnis absolut siegessicher und die linke Konkurrenz davon überzeugt war, dass sie gegen die Rechten sowieso nicht gewinnen kann.“

Das Wahlergebnis zeigt, dass sich beide Seiten getäuscht haben. Es gibt weder eindeutige Verlierer noch eindeutige Sieger. Die Kandidaten des Mitte-Rechts-Bündnisses konnten ihre Stellungen halten und mancherorts die Gegner besiegen. Lokale Mitte-Links-Bündnisse schlugen einige Mitte-Rechts-Gegner. „Kein Wahlergebnis, das das Ende der Rechten oder der Linken ankündigt, aber auch kein Ergebnis, von dem Berlusconi behaupten kann, dass es den Linken den Todesstoß versetzt“, sagt Mannheimer. „Die linke Opposition darf hoffen, dass langsam, aber sicher immer mehr Italiener der Mitte-Rechts-Koalition kritisch gegenüberstehen.“

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