Politik : Der Machthunger der Jungen

SPD in Hessen sortiert sich neu – in Niedersachsen schweigt sie noch

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Wiesbaden/Hannover (csl/wall). Dass der SPD Spitzenkandidat Gerhard Bökel nach einer Wahlschlappe von all seinen Ämtern zurücktreten würde, war erwartet worden. Überraschend war allenfalls die kurze Frist, die er den Genossen zur Neuaufstellung gegeben hat. Binnen weniger Tage muss sich Hessens SPD nun neu formieren. Der Landesvorsitz ist ebenso vakant wie der Fraktionsvorsitz im Landtag. Und wieder werden für die Posten die gleichen Namen genannt, die auch schon bei der Suche nach dem Spitzenkandidaten gefallen sind – etwa der des früheren Wirtschaftsministers Lothar Klemm.

Allerdings haben die Genossen in Hessen mit Übergangskandidaten bisher schlechte Erfahrungen gemacht. Vor vier Jahren, nach Hans Eichels Machtverlust, blieb der alte Kärrner Armin Clauss an der Fraktionsspitze. Er war es dann auch, der Gerhard Bökel als Spitzenkandidaten durchsetzte. Der Offenbacher Oberbürgermeister Gerhard Grandke, Eichels Favorit, hatte keine Chance. Nun, in höchster Not, könnte die Partei ihn rufen.

Als Kandidat für den Fraktionsvorsitz gilt der bisherige Fraktionsgeschäftsführer Manfred Schaub, der starke Unterstützung aus Nordhessen hinter sich weiß. Doch die Jungen in der neuen, schwer dezimierten Fraktion könnten gegen ihn rebellieren. „Uns stellt sich die Frage, ob wir Übergangslösungen suchen oder uns organisatorisch, inhaltlich und personell neu aufstellen wollen“, sagt Jürgen Walter (34), ein möglicher Kandidat für die Fraktionsspitze. Unzufrieden ist er auch mit der Organisation der hessischen SPD, die von zwei Bezirksvorständen und nicht von einem Landesverband geführt wird. Bisher hatten die Bezirke eine Strukturreform stets verweigert. Das könnte sich nun, nach der Niederlage, ändern.

Über die Folgen des katastrophalen Wahlausgangs in der niedersächsischen SPD ist am Sonntagabend wenig zu erfahren gewesen. Die Parteistrategen gaben die Parole „Frieden“ aus – und sagten gar nichts. Spekuliert wurde dennoch darüber, ob womöglich Bildungsministerin Edelgard Bulmahn ihren Landesvorsitz zugunsten des glücklosen Sigmar Gabriel räumen könnte.

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