Politik : Der Machtpolitiker

Ex-Präsident Rabbani setzte stets auf wechselnde Allianzen

Elke Windisch

In den Augen vieler Afghanen ist er eine Idealbesetzung für das höchste Amt des Landes: Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani forderte bereits bei der letzten Ratsversammlung in Afghanistan eine größere Rolle für den Islam. Auch der jetzt in Kabul zu Ende gehende Verfassungskonvent wäre fast an ihm gescheitert: Afghanistan, so Rabbani, brauche keinen starken Präsidenten, sondern ein starkes Parlament.

Vorstellungen, wie sie auch die ethnischen und religiösen Minderheiten vertreten, die bei den Wahlen im Juni mit Rabbani antreten wollen.Er ist jedoch nicht nur deshalb für Interimspräsident Karsai, einen ethnischen Paschtunen, ein ernst zu nehmender Gegner. Kaum 18 Jahre alt, ergatterte Rabbani einen Studienplatz an der wichtigsten islamischen Hochschule – der Al-Azhar-Universität in Kairo. Strenggläubige Muslime wollen geistliche und weltliche Macht in einer Hand sehen. Für Rabbani spricht aus ihrer Sicht zudem die Aura des Widerstandskämpfers.

Aus Kairo zurückgekehrt, bekam er in Kabul einen Lehrstuhl für Philosophie. Seine Studenten waren die ersten Mitglieder der Jamiat-i-Islami. Diese Bewegung gründete Rabbani nach dem Vorbild der Moslembruderschaften, aus Protest gegen den „roten Prinzen“ Daud, der 1973 König Sahir Schah stürzte und Rabbani nebst Anhängern ins Exil trieb. Darunter waren viele spätere Warlords, die nach dem Abzug der Sowjets Führungsposten in Rabbanis Mudschaheddin-Regierung bekamen. Statt zwischen den Rivalen in der Regierung zu vermitteln, spielte Rabbani sie mit wechselnden Allianzen gegeneinander aus. Das führte 1993 zum Bürgerkrieg und zur faktischen Dreiteilung des Landes, was später die Taliban auf den Plan rief. Notorischer Frontenwechsel spricht jedoch nur aus westlicher Sicht gegen Rabbani. In Afghanistan sind Allianzen lediglich Bündnisse auf Zeit.

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