Politik : Der Mann für alle Kriegsfälle - Warum Kanada Waffenhändler Schreiber so am Herzen liegt

Rüdiger Scheidges

"Das ist ein Mann, den Sie niemals vergessen, wenn sie ihn einmal getroffen haben: zupackend, jovial und undurchsichtig." Auch wenn CDU-Chef Wolfgang Schäuble den hemdsärmeligen, schlitzohrigen Unternehmer, Lobbyisten und Waffenhändler Karlheinz Schreiber nun doch beinahe vergessen hätte: Jörg Schönbohm - CDU-Chef und Innenminister in Brandenburg - charakterisiert den 65-jährigen Kauferinger wohl sehr treffend.

Lange bekannt, ja befreundet ist der mittlerweile in Kanada lebende Schreiber indes mit einem Mann, der in seinem öffentlichen Auftreten scheinbar so gar nicht zu ihm passen will: mit dem feinen Herrn und "Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle" (wie es Klaus Schucht einmal ausdrückte) Walther Leisler Kiep, dem ehemaligen Schatzmeister der CDU. Die Herren Kiep und Schreiber kennen sich unter anderem aus ihrer dezenten Zusammenarbeit in der vornehmen Atlantik-Brücke, in die Schreiber kurz vor der Wende eintrat. Der Verein mit durchweg respektablen Mitgliedern widmet sich der Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen, aber auch: der deutsch-kanadischen Beziehungen. Letztere vor allem liegen Schreiber seit Ende der 70er Jahre am Herzen. Aber auch der Bedarf Kanadas an modernen Rüstungsgütern und das dort beeindruckende Angebot von Steuervergünstigungen für ausländische Investoren.

20 Millionen Mark Steuern hinterzogen

Der Mann mit exzellenten Beziehungen zur kanadischen Regierung, deutschen Geheimdiensten wie auch ehemaligen, jetzt flüchtigen Staatssekretären und französischen Mineralölunternehmern pflegt seit geraumer Zeit auf ganz besondere Art die deutsch-kanadischen Beziehungen. Seine Brücke, die er allerdings am liebsten sofort einreißen würde, ist ein Haftbefehl. Denn seinen vorübergehend festen Wohnsitz in Kanada hat er sich aussuchen müssen, um sich vor der Staatsanwaltschaft in Augsburg zu retten, die Schreiber zur Last legt, er habe insgesamt rund 20 Millionen Mark an Steuern hinterzogen.

Der ursprüngliche Teppichhändler und Franz-Josef-Strauß-Amigo Schreiber, der auch mit der Flick-Familie befreundet ist, trägt dazu passend und auch für ihn momentan recht vorteilhaft einen kanadischen Pass. Er ist in normalen Zeiten im Steuerparadies Schweiz wohnhaft und handelt mit allem, was der Krieg - oder "friedenserhaltende Maßnahmen" - so brauchen: mit Panzern, Hubschraubern und Flugzeugen. Dafür, also für die "Pflege der politischen Landschaft", wie er selber schalmeit, lässt er viele, viele Millionen springen - eigene und solche, die ihm Waffenschmieden und andere Unternehmen zur Verfügung stellen. Der Mann, der in der CDU mindestens zwei Mal den Bargeldtransport per Koffer wieder hoffähig gemacht hat, aber nicht allein deshalb sieben Anwälte beschäftigt, lebt seit langer Zeit auf Kriegsfuß mit bürokratischen Hindernissen seiner unternehmerischer Kreativität. Beratergebühren, Provisionen und Kommissionen waren da oft erprobte Hilfsmittel. Momentan macht Schreiber weniger durch seine Geschäfte als mit der Abwehr des deutschen Auslieferungsbegehrens von sich reden. Und da ihm dieser öffentliche Rumor offenbar noch nicht reicht, hat er soeben die Regierungen von Kanada und Deutschland auf Schadensersatz verklagt. Denn auf der Grundlage des Auslieferungsbegehrens musste er im vergangenen Herbst in U-Haft. Es ginge immerhin, so Schreiber, um seinen "guten Ruf".

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