Politik : …der Mantel Geschichte wird

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Von Helmut Kohl wissen wir, dass er gelegentlich beliebte, den „Mantel der Geschichte“ zu ergreifen. Was ihm, bei allem Respekt, politisch weit besser gelang als sprachlich. Besagtem Kleidungsstück fehlte, sobald der Altkanzler die Rede darauf brachte, doch in schöner Regelmäßigkeit das „s“ in der Mitte. Noch heute ist unter Zeitgeschichtlern umstritten, ob dies lediglich seinem dezenten Pfälzer Dialekt oder, von Fall zu Fall, doch eher dem Status eigener Ergriffenheit geschuldet war.

Sie merken, viel dreht sich hier ums Greifen. Und weil wir nun schon mal dabei sind: Im Laufe seiner Jahre mag der Altkanzler so manches Mal daneben ge und, oh ja, sich auch recht kräftig ver-griffen haben: Nie, nie, nie aber, wenn ein Mantel im Spiel war.

Der korrekte Umgang mit Mänteln, jedenfalls mit Kleidungsstücken, die Schutz bieten, ist wichtig geworden im politischen Alltag. Frank Steffel etwa weiß ein Lied davon zu singen, ein Mann, der sich mal instinktiv vor tief fliegenden Eiern duckte, naheliegenderweise hinter jenes dunkle Jackett, das die breite Schulter des neben ihm stehenden Edmund Stoiber bedeckte. Steffel sparte damals Reinigungskosten. Die Erkenntnis, dass nicht jeder Reflex auch von politischer Instinktsicherheit zeugt, die gab es gratis dazu.

Wie kommen wir jetzt darauf? Wegen Claudia Roth. Bitte, wir wollen nicht despektierlich sein, wir zitieren nur, das aber leidlich korrekt. In der „Bild“-Zeitung ist zu lesen, die GrünenChefin stelle sich „mit ihrem breiten Rücken“ vor Joschka Fischer, unseren Außenminister, der sich seinerseits „hinter diesem schrecklichen weißen Mantel mit dem Pelzaufsatz an den Ärmeln“ verkrieche. Macht Fischer den Steffel? Muss er demnächst den Lafontaine geben – nur weil sich der Pelzaufsatz an dem, bitte, wir zitieren noch mal, „schrecklichen weißen Mantel“ entgegen allen Dementis als echt entpuppt und damit unter einschlägige Unvereinbarkeitsbeschlüsse fällt, die die Grünen in Sachen Tierschutz verabschiedet haben? Hat der „Mantel der Geschichte“ Ärmel, in denen man sich verfangen kann?

Wir wollen nicht zu viele Fragen stellen, sonst bleibt zu wenig Platz für Salischan Scharipow, der seit Monaten schon für unser aller Forschungswohl in einer Raumstation im All dümpelt. Scharipow bekommt in diesen Tagen einen Spezialanzug verpasst, weil sein Rückgrat wegen der langen Schwerelosigkeit seine natürliche Krümmung verloren hat. Geht das Ding in Serie, ist es nur eine Frage der Zeit, bis erste Modelle auch im Bundestag auftauchen werden. Vbn

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