Politik : Der neue Mann aus Teheran Irans Atomunterhändler trifft EU-Vertreter Solana

Andrea Nüsse

Kairo - Sein erster Auftritt wurde mit besonderer Spannung erwartet: Der neue iranische Chefunterhändler im Atomstreit, Said Dschalili, der am Sonnabend ernannt worden war, traf am Dienstagabend in Rom mit dem Chef der EU-Außenpolitik, Javier Solana, zusammen. Die Ablösung des bisherigen Verhandlungsführers Ali Laridschani, der mit moderatem Ton um das Vertrauen des Westens geworben hatte, hatte bei Beobachtern die Befürchtung geweckt, der Iran könne zukünftig kompromissloser auftreten.

Das Treffen, an dem überraschend auch Laridschani teilnahm, sei „konstruktiv“ gewesen, betonte Solana nach dem Gespräch. Er sagte jedoch auch, dass die Sanktionen gegen den Iran erst dann beendet würden, wenn eine Einigung erzielt werde. Er äußerte die Hoffnung, dass es noch vor November – wenn sich der Weltsicherheitsrat mit der Frage einer Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran befassen wird – zu einem weiteren Treffen mit Dschalili und Laridschani kommen werde. Letzterer sagte in Rom, er werde als Vertreter des religiösen Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, weiterhin eine Rolle bei den Verhandlungen spielen.

Der Westen will erst mit dem Iran verhandeln, wenn dieser sein Programm zur Urananreicherung einstellt. Die Vereinten Nationen haben den Iran bereits zweifach mit Wirtschaftssanktionen belegt, um den Anreicherungsstopp durchzusetzen. Ob der Westen eine dritte Resolution gegen Teheran einbringt, hängt von den Einschätzungen Solanas und des Leiters der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohammed al Baradei, ab, die im November im Weltsicherheitsrat Auskunft geben. Der Iran besteht auf seinem Recht, als Mitglied des Nichtverbreitungsvertrages eine zivile Atomindustrie zur Energieversorgung aufzubauen. Er lehnt die Einstellung der eigenen Forschung zur Urananreicherung ab, weil es die Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Ausland vermeiden will.

Die EU hatte im Juni 2006 ein Angebot unterbreitet, das die Lieferung eines Leichtwasser-Atomreaktors und angereicherten Urans enthalten soll. Darüber hinaus sollen Wirtschaftsangebote, wie der Verkauf von Boeings und Airbussen, in dem Paket enthalten sein. Die EU wolle auch ein regionales Sicherheitsbündnis unterstützen, um dem Iran die Angst vor Angriffen zu nehmen. Eine Antwort des Iran steht noch aus. Beobachter glauben jedoch, dass Teheran vor allem an einer Änderung der feindseligen Haltung Washingtons gelegen ist.

Neben der EU bemüht sich auch IAEO-Chef al Baradei weiter um eine politische Lösung. Im August hatte er sich mit Teheran auf einen Arbeitsplan geeinigt. So soll der Iran unter anderem belegen, woher er die Komponenten für die etwa 2000 Zentrifugen hat, die in der Anlage in Natans arbeiten, und Auskunft über die Forschung an moderneren Zentrifugen geben. Andrea Nüsse

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