Politik : Der Neue Markt ist am Ende

Deutsche Börse will Notierungen 2003 beenden / Neuordnung soll Vertrauen der Anleger zurückgewinnen

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Berlin. Die Deutsche Börse stellt ihren einstigen Hoffnungsträger Neuer Markt ein. Nach den spektakulären Pleiten der vergangenen zwei Jahre und den drastischen Kursverlusten vor allem der Unternehmen im Nemax 50 war die Börse in die Kritik geraten. Spätestens bis Ende 2003 soll es das Segment – genauso wie den Smax für kleine Unternehmen – nicht mehr geben, teilte die Gesellschaft mit. Stattdessen sollen die an der Börse notierten Unternehmen grundlegend neu in zwei Lager eingeteilt werden. Bei Aktionärsschützern und den betroffenen Firmen traf die Ankündigung der Börse vorwiegend auf ein positives Echo.

Von Bernd Hops

Als der Neue Markt im März 1997 gestartet wurde, hielt man ihn für beispielhaft. Die hier notierten Unternehmen galten als die Stars der „New Economy“, junge Unternehmen, die rund um neue Technologien und das Internet entstanden. Mit deren Krise ging es auch mit dem Neuen Markt bergab. Zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Marktes gehörte der Telekomkonzern Mobilcom, der zurzeit gegen die drohende Pleite kämpft. In den ersten drei Jahren stieg der Neue-Markt-Index Nemax 50 auf mehr als 9600 Punkte, heute steht er bei 367 Zählern.

Der trotz einer Reihe solider Unternehmen starke Vertrauensverlust in den Neuen Markt, bewog die Deutsche Börse nun, das Segment zu schließen. Ab 2003 sollen die Firmen nur nach zwei Standards eingeteilt werden, wobei der Deutsche Aktienindex Dax für die wichtigsten Unternehmen erhalten bleiben soll. Der „Domestic Standard“ soll für Unternehmen gelten, die nur die Mindestanforderungen zur Börsennotierung – wie einen Jahresabschluss – erfüllen. Weiter gehende Regeln sollen für den „Prime Standard“ gelten, der vor allem für international ausgerichtete Unternehmen gedacht ist.

„Die Transparenz muss erhöht werden“, begründete Börsensprecher Frank Hartmann den Schritt. Nur so sei es möglich, wieder Vertrauen bei den Anlegern zu bilden. Doch fordere das auch mehr von den Unternehmen: „Diese müssen ihre Versprechen, ihre Prognosen einhalten.“ Für die Firmen am Neuen Markt ändere sich zunächst nichts, denn die Anforderungen für die Aufnahme in den „Prime Standard“ seien etwa die gleichen wie bisher. Anleger werden nach Meinung von Analysten auch kein Geld verlieren. Gesunde Unternehmen des Neuen Markts könnten von der Neuordnung sogar Vorteile haben. Durch die Neuordnung stünden der Börse nun aber schärfere Sanktionierungsmöglichkeiten zur Verfügung, sagte Hartmann. Neuer Markt und Smax waren bisher privatrechtlich organisiert. Vom kommenden Jahr an gelten öffentlich-rechtliche Regeln nach dem neuen Finanzmarktförderungsgesetz. Jetzt seien Geld- und auch Haftstrafen bei Regelverstößen leichter möglich. Bisher muss einem Unternehmen Betrug nachgewiesen werden, um gegen es vorgehen zu können.

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