Politik : Der neue US-Präsident: Ein Clan wie die Kennedys - nur ohne Glamour

Holger Schmale

Es hat länger gedauert als geplant, doch jetzt ist die Revanche gelungen. George W. Bush hat am Ende nicht nur seinen Widersacher Al Gore ausgestochen. Er hat auch die Familienehre wieder hergestellt. Mit Bush II. kehrt nach acht Jahren eine Dynastie ins Weiße Haus zurück, die es an politischem Gewicht durchaus mit den Kennedys aufnehmen kann.

Anders als deren Clan meiden die Bushs eher die gesellschaftliche Bühne. Ihnen fehlen Glanz und Glamour einer Jackie, auch das große Drama und die Skandale der Kennedys sind ihnen fremd. Doch sie arbeiten in der vierten Generation unermüdlich an ihrem politischen Einfluss, der nie größer war als heute.

Während sie bislang als einzige amerikanische Familie gleichzeitig zwei Gouverneure stellten, sind sie nun die erste seit 176 Jahren, aus der Vater und Sohn das Weiße Haus erobert haben. Und während John Quincy Adams seinem Vater erst nach 24 Jahren ins Amt folgte, liegen zwischen Bush I. und Bush II. nur die Amtsjahre Bill Clintons - von Januar 1993 bis Januar 2001.

Wie ein dunkler Schatten hatte die bittere Wahlniederlage des alten Bush über dem Clan geschwebt. Wenn es so auch nie öffentlich formuliert wurde, die Revanche für den Sieg des Außenseiters Clinton im November 1992 gehörte wohl zu den entscheidenden Motiven, die George W. Bush zu seiner Kandidatur bewogen haben. Hier ging es um eine Familienmission. "Ich kann garantieren, dass er Ehre, Respekt und Würde in das Weiße Haus zurückbringen wird", erklärte seine Mutter Barbara ein ums andere Mal vor der Wahl.

Bushs Kampagne stellte sich streckenweise wie ein Familienunternehmen dar. Vater George hielt sich zwar zurück, denn ihm haftete der Ruch des Verlierers an. Aber die einstige First Lady Barbara und vor allem Bruder Jeb Bush, der Gouverneur von Florida, schlugen sich für ihn. Als Anziehungspunkt für junge Leute wirkte Jebs Sohn mit dem erfolgsträchtigen Namen George Bush, der auf dem Parteitag der Republikaner schon den Anspruch der nächsten Generation seiner Familie auf politische Macht deutlich gemacht hat. Den Grundstein hatte der Großvater des neuen Präsidenten, Prescott Bush, gelegt, der von 1953 bis 1963 den Bundesstaat Connecticut im Senat von Washington vertrat.

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