Politik : Der Papst denkt über die Liebe nach

Paul Kreiner

Rom - Die Spekulationen über die erste Enzyklika Benedikts XVI. sind zu Ende. In der Generalaudienz am Mittwoch kündigte er an, sein erstes lehramtliches Schreiben werde „am 25. Januar endlich erscheinen“ und den Titel „Gott ist Liebe“ tragen. Der Papst sprach aus dem Stegreif; seine Wortmeldung kam selbst für Insider überraschend.

Wochenlang hatte das vatikanische Presseamt unter Joaquin Navarro-Valls jede Stellungnahme abgelehnt, heimlich aber jemand mit einem katholischen italienischen Verlag ausgehandelt, dass die Enzyklika kommende Woche der beliebten Illustrierten „Famiglia Cristiana“ beigelegt werden und „nur einen Euro“ kosten solle. Auf diese Weise hat der Vatikan Werbung für jene Zeitschrift gemacht und die Spekulationen in anderen Medien angeheizt. Dass der Papst den Wirbel nun persönlich, über Navarro-Valls hinweg, gestoppt hat, ist im Vatikan aufmerksam registriert worden.

Mit einem an ihm bisher nicht beobachteten rhetorischen Schwung machte Benedikt XVI. vor etwa 8000 Gläubigen am Mittwoch klar, dass sein erstes Rundschreiben nicht moralisch-disziplinarischer Art sein wird. Er wolle, sagte Benedikt XVI. unter starkem Applaus, „das Konzept der Liebe in seinen verschiedenen Dimensionen“ darstellen. So erscheine die zwischenmenschliche Liebe (lateinisch: amor) „einem Christen, wenn er von Nächstenliebe (caritas) spricht, oft sehr fern“. Dabei entspringe alles, auch „der Eros, dieses Geschenk der Liebe zwischen Mann und Frau“, einer „einzigen Bewegung, einer einzigen Quelle: der Güte Gottes“. Die Liebe dürfe aber nicht selbstbezogen „nur die eigenen Freuden suchen; sie formt sich um in Nächstenliebe“.

Das erste Lehrschreiben Benedikts XVI. war mehrfach angekündigt worden. Er soll es auf Deutsch und– so ließ Pressesprecher Navarro-Valls durchblicken – zum Teil während seines Sommerurlaubs im Aosta-Tal verfasst haben. Der Papst selbst sagte, es habe „lange gedauert bis der Text fertig und übersetzt war“. Zuvor war im Vatikan zu erfahren, der Papst sehe jede fremdsprachige Version persönlich durch. Aus seinen Büchern ist Ratzinger als sprachsensibler und geschliffen formulierender Autor bekannt; mit den bisherigen Übersetzungsleistungen im Vatikan sei er nicht unbedingt zufrieden, heißt es.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar