Politik : Der Papst – schwer krank, aber streitbar

Paul Kreiner

Rom - Unlängst, nach den langen und anstrengenden Ostergottesdiensten, hat er einen Frühjahrsausflug in die Berge bei Rom unternommen. Die umfangreichen Heiligsprechungen am vergangenen Sonntag auf dem Petersplatz hat er selbst geleitet. Am 5. Juni reist er in die Schweiz, zum Weltjugendtag in Köln im Sommer 2005 hat er sich auch schon angemeldet.

Am heutigen Dienstag wird Karol Wojtyla, Papst Johannes Paul II., 84 Jahre alt. Trotz seiner Parkinsonkrankheit drängt es ihn immer wieder an die Öffentlichkeit. Er könnte dem Beispiel zahlreicher Vorgänger folgen, die sich, wenn sie krank wurden, still leidend in die innersten Gemächer des Vatikans zurückzogen und teils über Jahre hinweg verstummten. Aber Johannes Paul II. zehrt offenbar noch immer von der körperlichen Kondition, die er sich in jungen Jahren beim Sport erarbeitet hat. Und vor allem: Er fühlt sich einem höheren Auftrag verpflichtet. Vergangenes Jahr, als er zur Verhinderung des Irakkrieges alle diplomatischen Hebel in Bewegung setzte, da verbesserte sich auch sein gesundheitlicher Zustand sichtlich. Jetzt, da er seine Kräfte erneut gefordert fühlt – beim Kampf gegen die Folter im Irak, gegen die „Zerstörung des Menschlichen“ –, da kommen sie auch wieder. Die beispiellos starken Worte des Vatikan gegen Amerika sprechen für sich.

Beispiellos aktiv ist Johannes Paul II. auch auf einem anderen Gebiet. Außer ihm ist kein Papst der Neuzeit als Schriftsteller in eigener Sache aufgetreten, keiner außer ihm hat Gedichte veröffentlicht. Nun aber, acht Jahre nach „Geschenk und Geheimnis“, legt Johannes Paul II. schon den zweiten Band seiner Autobiografie vor. Das Buch erscheint heute, genau zum Geburtstag, und wird die Bischofsjahre Wojtylas in Krakau (1958 bis 1978) zum Inhalt haben.

Sein Geburtstag wird nach vatikanischer Sitte nicht groß gefeiert – genauso wenig wie der jüngste Kirchenrekord des 84-Jährigen. Denn seit März ist Johannes Paul II. mit mehr als 9300 Tagen Amtszeit der am drittlängsten „regierende“ Papst in den zweitausend Jahren Kirchengeschichte. Wenn er so weitermacht, kann er im Juni 2009 sogar in den zweiten Rang aufrücken.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben