Politik : Der Papst wird operiert

Papst Johannes Paul II. ist laut italienischen TV-Berichten am Abend in den Operationssaal des Gemelli-Krankenhauses in Rom gebracht worden. Wegen schwerer Atemnot soll offenbar ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden.

Rom (24.02.2005, 21:21 Uhr) - Der katholische Kirchenführer war einige Stunden zuvor wegen eines Gripperückfalls mit Atemproblemen erneut ins Krankenhaus gekommen. Bereits Anfang Februar war er wegen Grippe und Atemnot in der Klinik behandelt worden. Schon damals hatten die Ärzte eine Operation erwogen.

Der Vatikan teilte am Abend offiziell keine Einzeheiten über die Entwicklung mit. Die Atemprobleme des Papstes werden vor allem durch seine Parkinson-Krankheit verstärkt, an der er schon seit vielen Jahren leidet. Einzelheiten über den Gesundheitszustand wollte der Vatikan erst am Freitagmittag bekannt geben.

Der zweite Klinikaufenthalt des Oberhauptes der römisch- katholischen Kirche innerhalb eines Monats löste im Vatikan und unter Gläubigen tiefe Sorge aus. Der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger rief alle Gläubigen auf, für den Papst zu beten. Vor allem in der polnischen Heimat des Papstes waren die Menschen bestürzt.

Der Kirchenführer wurde am Donnerstag gegen 11.30 Uhr in einem Krankenwagen in die Klinik gebracht. Der seit mehr als 26 Jahren regierende Papst war erst am 10. Februar nach zehn Tagen Klinikaufenthalt wegen Grippe und Kehlkopfentzündung in den Vatikan zurückgekehrt. Allerdings war Karol Wojtyla seitdem sichtlich geschwächt. Erst Anfang dieser Woche hielt er wieder kurze Audienzen. Bereits am Mittwoch musste der Papst aber wegen des Grippe-Rückfalls seine Generalaudienz absagen. Er sprach lediglich per Videoübertragung zu den Gläubigen; seine Stimme klang dabei rau und brüchig.

Die offizielle Mitteilung von Vatikansprecher Joaquín Navarro- Valls am Donnerstag bestand lediglich aus zwei Sätzen: «Seit Mittwochnachmittag hat der Heilige Vater einen Rückfall in das Grippesyndrom, unter dem er schon vor Wochen litt. Daher wurde er am Donnerstag zur angemessenen Hilfe von Spezialisten und für weitere Untersuchungen in die Gemelli-Klinik gebracht.»

Vor dem Krankenhaus am Stadtrand von Rom versammelten sich wie schon Anfang des Monats zahlreiche Journalisten. Auch italienische Politiker wie der ehemalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi äußerten tiefe Sorge. «Ich kann nur hoffen, dass es nichts Ernstes ist», meinte Prodi.

Inoffiziell verlautete, der Papst zeige die gleichen Grippe- Symptome wie vor einigen Wochen. Bei seinem Klinikaufenthalt Anfang Februar waren die Atemprobleme durch die Parkinson-Krankheit noch verstärkt worden. Deswegen musste der Patient auch zeitweise Atemhilfe erhalten. Der katholische Kirchenführer war am 1. Februar wegen Grippe, Kehlkopfentzündung und Atemnot in die Klinik gekommen. Zeitweise gab es damals auch Spekulationen über einen möglichen Rücktritt des Papstes. Unter anderem hatte sich der Tübinger Theologe und Vatikankritiker Hans Küng für einen solchen Schritt eingesetzt. (tso)

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