Politik : Der Patenonkel aus Frankfurt

Ruth Ciesinger

Berlin - In Frankfurt (Oder) erinnert man sich noch gut an die Flut von 1997. Vielleicht ein Grund, warum die Menschen jetzt so schnell im Katastrophengebiet helfen wollen – und geholfen haben. Bereits am 27. Dezember war ein kleines Team der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus Frankfurt auf eigene Faust nach Sri Lanka aufgebrochen, was der Gruppe im Übrigen nicht nur Lob eingebracht hat. „Nach dem, was die Sanitäter dann aus der Stadt Weligama schilderten, wussten wir genau, wie und wo wir helfen wollen“, sagt Heinz-Dieter Walter, Pressesprecher der Stadt, über die geplante Patenschaft mit Weligama.

Klar ist: Der Kanzler rennt mit seinem Vorschlag für Patenschaften bei den deutschen Kommunen offene Türen ein. Die Koordinierungsstelle Wiederaufbau Südasien, die für das Entwicklungsministerium arbeitet, wird mit Anfragen überschüttet. Weil die meisten Städte keinen Ansprechpartner in der Region haben und dort noch der Bedarf geklärt werden muss, wird es bis zu konkreten Projekten etwas dauern, sagt eine Mitarbeiterin.

Frankfurt, das sich bei der Stelle angemeldet hat, will jetzt schon aktiv werden. Ein Singhalese dolmetscht bei Telefonaten mit den Behörden vor Ort, Kontakt zu Hilfsorganisationen wird gesucht. Am 15. Januar ist mit dem polnischen Slubice, das bei der Patenschaft mitmacht, eine Benefizveranstaltung geplant. Oberbürgermeister Martin Patzelt will Ende des Monats mit Medikamenten im Gepäck nach Weligama reisen. Eine Buchhandlung bietet an, für eine Schule Schreib- und Lehrmaterial zu finanzieren. Und Sven Oberländer vom DLRG will in den nächsten Tagen vor Ort erkunden, wie den Fischern am besten bei der Reparatur ihrer Boote geholfen werden kann oder wie Familienpatenschaften aufgebaut werden können. „Das sind Mikrotropfen auf einen ganz heißen Stein“, sagt er. „Aber wenn viele helfen, bringt das hoffentlich etwas.“

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