Politik : „Der PDS droht der Tod“

Ex-Bundesgeschäftsführer Bartsch: West-Aufbau ist gescheitert

Matthias Meisner

Drei Wochen hat sich Dietmar Bartsch nach der Niederlage der Reformer auf dem PDS-Parteitag in Gera Zeit gelassen. Umso erbitterter fällt die Bilanz aus, die der ehemalige Bundesgeschäftsführer jetzt, „nach einem desaströsen Wahlergebnis und einem Parteitag der Selbstbefassung“, zieht. Auf neun Seiten sieht der ehemalige Spitzengenosse vornehmlich schwarz: „Von Gera ging kein Signal der Öffnung in die Gesellschaft aus. Ich habe Sorge, dass mit diesen Entscheidungen der PDS der politische Tod droht.“

Vor allem die Chancen, noch bundesweit agieren zu können, sieht Bartsch nun nahe Null – und lastet das dem in Gera wieder gewählten Vize-Parteichef Diether Dehm an, der „für den West-Aufbau das Blaue vom Himmel versprach“ und „kein Wort zum Scheitern seiner blenderischen Versprechungen findet“. Dabei stagniere die PDS im Westen nach wie vor auf niedrigstem Niveau, analysiert Bartsch. Dies habe nicht am zu geringen finanziellen Engagement der Gesamtpartei gelegen, „sondern vor allem daran, dass wir die real existierende Gesellschaft in den alten Bundesländern nie wirklich akzeptiert (…) haben. Stattdessen haben wir eine instinktive Abneigung kultiviert, verhaftet im alten Klassenfeind-Denken.“

Doch auch die Funktionäre in den westlichen Landesverbänden geht der einstige Parteimanager scharf an. Viel zu oft mache die PDS in den alten Bundesländern Politik an der Gesellschaft vorbei, „in einer Art Polit-Biotop, häufig mit Sektencharakter“. Bartsch: „Wer vor allem Nischenthemen besetzt, sie zum Schwerpunkt erklärt und glaubt, mit allen erdenklichen Anti-Positionen auch nur in den vagen Verdacht zu geraten, jemals etwas Konstruktives für die Menschen in diesem Land auf die Beine stellen zu können, bewegt sich im selbst erfundenen Paralleluniversum.“ Schade ums viele Geld, glaubt Bartsch inzwischen. Denn trotz der Förderung aus Mitteln der Bundespartei liege die PDS im Westen noch immer „vielerorts gleichauf mit den Bibeltreuen Christen“.

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