Politik : Der Präsident - ein Tabu: In Kasachstan sind die kritischen Stimmen verstummt

Stefan Koch

Seit den Präsidentschaftswahlen 1999 ist der Druck auf unabhängige Medien in Kasachstan massiv verstärkt worden. Zeitungen wurden am Erscheinen gehindert, Privatradios geschlossen. Kasachstans Präsident Nasarbajew machte keinen Hehl daraus, dass unabhängige Medien unter verstärkter Beobachtung stehen: Der Staatschef droht mit Zensur, sollte es eine "falsche Interpretation der Meinungsfreiheit geben".

Die liberale Phase nach dem Ende der Sowjetunion und der neu gewonnenen Unabhängigkeit Anfang der 90er hielt nur kurz an. Heute sind kritische Stimmen meist verstummt. Kritische Berichterstatter finden sich nur noch in englischsprachigen Medien, die aus Europa oder den USA finanziert werden. Eine Ausnahme bildet das neue russischsprachige Magazin Kontinent. In den kleinteilig gestalteten Heften spricht das junge Redaktionsteam die bedrückende Armut an, unter der große Teile der Bevölkerung zu leiden haben. Die Person des Staatspräsidenten bleibt dabei jedoch tabu.

Journalisten, die auf eine klare Sprache nicht verzichten wollen, bleibt dagegen nur eine Lösung: nach Russland auszuwandern. Der 40-jährige Igor Trutanov ist ein Beispiel. Er wurde 1999 nach einer Recherche über die Lebensverhältnisse in dem früheren Atomtestgelände bei Semipalatinsk von Unbekannten verprügelt und schwer verletzt. Nach dem Überfall bemühte sich nicht etwa die Polizei um Aufklärung der Gewalttat, sondern der kasachische Geheimdienst um die Ergebnisse seiner Arbeit. Trutanov sah sich einer zunehmenden Bedrohnung ausgesetzt und flüchtete nach Moskau, wo er als Redakteur einer angesehenen Wochenzeitung arbeitet.

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