Politik : Der Premier kommt nicht zum Beten

Der Papst in Spanien: Nach dem Streit um die Homo-Ehe ein „höfliches Gespräch“ mit Zapatero – aber der Messe in Valencia bleibt der Regierungschef fern

Ralph Schulze[Valencia]

Papst Benedikt XVI. hat bei einem 26-stündigen Besuch in Valencia zur Verteidigung der Familie aufgerufen, die er „belagert“ sieht. Der Besuch des Papstes galt einem Land, in dem sich seit dem Amtsantritt der linken Regierung von José Luis Zapatero ein massiver Konflikt zwischen Kirche und Staat abspielt. Zapatero hat vor einem Jahr die Homo-Ehe eingeführt und vor allem damit den Zorn des Vatikans hervorgerufen. Auch in Spanien, das jahrhundertelang eine Bastion des Katholizismus war, wächst wie in allen westeuropäischen Ländern die Zahl der Zivilehen, außerdem fehlt es der Kirche an Priesternachwuchs, und immer mehr, vor allem junge, Leute kehren ihr ganz den Rücken.

Das Streitpotenzial zwischen der Zapatero-Regierung und den Glaubenshütern in Rom ist seit Einführung der Homo-Ehe keineswegs geringer geworden. Neben der Homo-Ehe mit Adoptionsrecht wurden in Spanien in den vergangenen Monaten die „Blitzscheidung“ und die Abwertung des Religionsunterrichts beschlossen. Als weitere Reformprojekte plant die Regierung die Kürzung des Staatszuschusses für die Kirche, die Liberalisierung von Abtreibung und Sterbehilfe und die Forschung an embryonalen Stammzellen.Und so verzichtete Zapatero denn auch darauf, am Sonntagvormittag an der Freiluft-Massenmesse des Papstes in Valencia teilzunehmen, zu der rund eine Million Pilger kamen. „Ich ziehe es vor, dazu keinen Kommentar abzugeben“, sagte Benedikt XVI. mit leicht verbitterter Miene, sichtlich bemüht, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.

Der deutsche Papst, der seine Reden in fließendem Spanisch las, hielt sich denn auch mit direkten Attacken auf Zapatero zurück. Er beschränkte sich darauf, die Regierenden zur „Reflexion einzuladen“, und bekräftigte sein Bild der „Familie basierend auf der Ehe“ zwischen Mann und Frau. Zapatero, der sich am Samstagabend zu einem halbstündigen und, wie es aus vatikanischer Quelle hieß, „außerordentlich höflichen“ Gespräch mit „Benedicto“ getroffen hatte, hatte den Papst schon vor dessen Besuch wissen lassen, dass die spanische Gesellschaft sich über das Parlament und nicht über den Vatikan regiere.

Im festlich geschmückten Valencia feierten Hunderttausende Menschen den Papst, dessen Kurzvisite den Höhepunkt des Fünften katholischen Familientreffens bildete. In der zentralen Grünanlage der Stadt schützte ein riesiger beschatteter Altar mit Klimaanlage den Papst vor der Hitze. Einer der Höhepunkte des Treffens war am Samstag der Besuch Benedikts an der Stelle der Stadt, der Haltestelle „Jesus“, wo am Montag ein U-Bahn-Zug verunglückt war und 42 Menschen unter sich begraben hatte.

Tourismusmanager schätzen, dass der Besuch des Papstes der Wirtschaft der Region und der Hauptstadt der Costa Blanca bis zu 60 Millionen Euro gebracht haben könnte. Doch auch der Aufwand war hoch: Der Besuch des Papstes im sündigen Spanien, für den vor allem enorme Sicherheitsanstrengungen gemacht werden mussten, soll mindestens 30 Millionen Euro gekostet haben. Die Reise war Benedikts dritte Auslandsreise, seit er im letzten Jahr zum Papst gewählt wurde.

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