Politik : Der Prominenten schwerste Stunde

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Prominent. Das Wort steht hier einfach mal so da, um den Assoziationen freien Raum zu geben. Reich. Schön. Blitzlicht. Abendkleid. Brillanten. Roter Teppich. Kaviar löffelweise. Hotel mit Privatbutler auf Bali.

Okay, okay. Das war jetzt der Neidvorspann, dem die Rubrik „Mitfühlendes“ folgt. Prominent: Brötchenholen unmöglich, Bahnfahren undenkbar. Paparazzi hinter jeder Palme, Kontakt zu unprominenten Menschen nur, wenn das Management eine Autogrammstunde ansetzt. Selbst alltägliche Normalverrichtungen werden zur Qual, wenn minimal die Hälfte der Menschheit glotzt. Und die schwerste Herausforderung für die spitz- und steilprominenten Paare dieser Welt ist: Wie nennen wir unser Kind?

Der Normalbürger sucht in einem Buch oder nimmt den nur leicht angestaubten Namen von der Großtante. Prominente können das nicht, sonst wären sie keine: Sie lassen die Namen für den Nachwuchs individuell anfertigen. Volkswagen nennt das neue Cabrio ja auch nicht Gertrud oder Kevin-Alexander, sondern hat teure Experten lange fahnden lassen, bis „Eos“ herauskam. Angelina Jolie und Brad Pitt haben sich von illustren Esoterikern beraten lassen, um ihre soeben geborene Tochter „Shiloh Nouvel“ zu nennen.

Das heißt ungefähr „Gottesgeschenk der Neue“, ist für ein Mädchen eher ungewöhnlich und in Deutschland zudem mit Erinnerungen an die Shiloh-Ranch belastet, an Trampas und Steve, wie sie ritten und sich mit den Schurken zofften. Neue Ranch? Jungstute?

Allerdings ist Shiloh Nouvel Jolie-Pitt noch eingermaßen glimpflich davongekommen. Der Ahnherr der Doofe-Vornamen-Bewegung, Frank Zappa, hat eine Tochter einst Moon Unit getauft; leider ist sie längst viel zu alt, um sich mit Pilot Inspektor zusammenzutun, dem noch recht frischen Sohn des Schaupielers Jason Lee. Jaden Gil, der Sohn von Steffi und Andre, würde perfekt zu Fifi Trixibelle Geldof passen, ist aber weit vom heiratsfähigen Alter entfernt. Deshalb ist noch viel Zeit zum Nachdenken darüber: Wie nennen die Besitzer solcher Vornamen später ihre Kinder?

Mag sein, sie hängen alles aneinander und vervielfachen das Unheil. Oder sie gehen zu den Ursprüngen zurück und wählen Archaisches wie Ben oder Tom. Eine Revolution! Die Frage ist allerdings, ob dann irgendeine Zeitung fünf Millionen Dollar für das erste Foto vom Baby ausspuckt. Shiloh Nouvel hat das ganz locker geschafft.

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