Politik : Der rot-rote Träumer und Vorsitzende der SPD Thüringen Richard Dewes muss Federn lassen

Matthias Meisner

Eigentlich war der rot-rote Plan schon lange gestorben. Aber Richard Dewes, der seit 1996 amtierende Vorsitzende der SPD Thüringen, redete noch immer davon. "Ich habe nie die Zusammenarbeit mit einem potenziellen Partner ausgeschlossen", sagte er noch wenige Tage vor der Landtagswahl. Für die Koalition zwischen SPD und PDS auf Landesebene sprach danach, dass die SED-Nachfolgepartei "auf Städte- und Gemeindeebene ein konstruktiver und positiver Faktor in der Politik" sei.

In der Berliner Parteizentrale der PDS, dem Karl-Liebknecht-Haus, wollte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr die Hoffnungen von Dewes teilen. Zwar wäre Thüringen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche zwischen SPD und PDS in Brandenburg absehbar das einzige Land, wo die beiden Parteien ein Regierungsbündnis eingehen könnten. Auch wäre die Thüringer PDS-Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin Gabriele Zimmer die Idealbesetzung für eine solche Kooperation gewesen. Doch realistisch gesehen machte sich beim Parteivorstand der PDS niemand mehr Hoffnung auf ein rot-rotes Bündnis in Thüringen. Die Option galt als "totgeredet".

Schon 1995 hatte der gebürtige Saarländer Dewes begonnen, die Weichen für Rot-Rot zu stellen. "Eine Ausgrenzung der PDS schadet nur", sagte er. Und: "Wir müssen uns die Option offenhalten, irgendwann auch mit der PDS zusammen für Thüringen Politik gestalten zu können." Ein Jahr später forderte er, fair mit der PDS umzugehen und "gemeinsam mit ihr" nach den besten Lösungen für das Land zu suchen.

Auch wenn die PDS die Signale aufnahm, die eigene Landespartei brachte Dewes nicht hinter sich. Kaum einer glaubte zuletzt, die Landespartei würde bei der nach der Wahl geplanten Mitgliederbefragung Rot-Rot den Segen geben. Wissenschaftsminister Gerd Schuchardt, der Dewes nach Thüringen geholt hatte, stänkerte zunehmend. "Ich bin inzwischen sicher, dass die Distanz zur PDS so groß geworden ist, dass die Mehrheit nicht mit ihr regieren will." Eindeutig haben die Wähler in Thüringen am Sonntag auch über die politische Zukunft von Dewes abgestimmt, der in einer Großen Koalition nicht wieder Minister werden will.

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