Politik : Der Rücktritt als Chance (Kommentar)

Gunda Röstel, eine der beiden grünen Vorstandssprecherinnen, will zurücktreten. Wenn die von ihr geführten sächsischen Grünen am nächsten Wochenende ebenfalls an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Das wäre eine noble, wenn auch unüblich gewordene Konsequenz: Sie träte zurück, ohne wirklich für die grüne Niederlagen-Serie in den neuen Ländern zu verantwortlich sein. Die hätte auch niemand anders an ihrer Stelle verhindert. Außerdem würde Gunda Röstel den Grünen im Westen damit eine unverhoffte Chance eröffnen: Das eingefrorene grüne Machtmobilé - Ost-west-links-rechts-Mann-Frau - geriete endlich in Bewegung. Der Abschied von der Doppelspitze drängte sich dann auf. Und damit der Abschied von allen grünen Doppelspitzen. Denn die Wahl einer echten und einzigen Parteivorsitzenden ist ohne Satzungsänderung nicht möglich. Die Weiterungen übersteigen alles, was die Grünen sich noch zu wünshen trauen. Vorsichtig wird intern bereits darüber gesprochen, die Renate Künast an die dann einsame Parteispitze zu wählen. Die gemäßigte Linke wird sich am 10. Oktober in Berlin erneut auf den Oppositionsbänken wiederfinden und wäre so - streng nach der Schröderschen Niederlage-Aufstiegs-Logik - zu Höherem berufen. Wenn aber eine Linke der Parteivorsteht, könnte ein Realo allein die Fraktion führen. Rezzo Schlauch gilt jedoch als schwach. Wenn dann aber die ebenfalls gemäßigte Linke Kerstin Müller die Fraktion führt und Renate Künast die Partei, dann könnten die Realos im Gegenzug den ungeliebten Umweltminister loswerden. Das sind die Phantasien, die der angekündigte Rücktritt Gunda Röstels in der Partei freisetzt. Ob die sich so viel Freiheit noch zutraut?

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