Politik : Der Schlächter von Libyen Streit nach Festnahme

von Ex-Geheimdienstchef.

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Madrid - Er galt als einer der brutalsten Männer des untergegangenen Terror-Regimes in Libyen, war monatelang auf der Flucht und wurde vom Internationalen Strafgerichtshof gejagt: Abdullah al Senussi, zuletzt Chef des Geheimdienstes und rechte Hand von Ex-Diktator Muammar al Gaddafi, sitzt endlich hinter Gittern. Der „Schlächter von Libyen“, wie ihn das Volk nannte, wurde am Wochenende auf dem Flughafen der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott festgenommen.

Der Strafgerichtshof in Den Haag beschuldigt Senussi, bei der Bekämpfung des libyschen Aufstandes im Frühjahr 2011 „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begangen zu haben. Der 62-jährige Senussi soll auf Befehl Gaddafis mit seinen Todesschwadronen gegen die „Demonstrationen von Zivilisten“ vorgegangen sein. Dabei sollen die Senussi-Truppen Hunderte von Menschen „getötet, verletzt und verhaftet“ haben.

Während des Aufstandes hatten Gaddafis Scharfschützen in den Städten Bengasi, Misurata und Tripolis wahllos Demonstranten erschossen. Viele Oppositionelle wurden auch verschleppt und sind bis heute verschwunden. Auch wird Senussi verdächtigt, im Ausland tausende Söldner angeworben zu haben, um die Rebellion niederzuschlagen. Seine Blutspur reicht aber sehr viel weiter zurück: So soll er 1996 die Erschießung von 1200 politischen Gefangenen in einem Gefängnis in der Hauptstadt Tripolis angeordnet haben.

Seit Sommer 2011 stand Senussi, der auch Gaddafis Schwager war, auf der Fahndungsliste des Strafgerichtshofes. Das Tribunal hatte am 27. Juni gegen Gaddafi, seinen Sohn Saif al Islam und gegen Senussi – die drei Hauptverantwortlichen der gewaltsamen Unterdrückung – internationale Haftbefehle ausgestellt.

Gaddafi wurde von den Rebellen im Oktober in der libyschen Stadt Sirte aufgespürt und unter nicht ganz klaren Umständen getötet. Saif fiel den Rebellen im November in der südlibyschen Wüste in die Hände. Die libysche Übergangsregierung will den einst mächtigsten Gaddafi-Sohn aber nicht an den Strafgerichtshof ausliefern, sondern ihm in Libyen den Prozess machen.

Nach der Festnahme des „Schlächters“ Senussi in Nouakchott fordert Libyens Übergangsrat von Mauretanien die Auslieferung des Ex-Geheimdienstchefs. „Er muss in Libyen vor Gericht gestellt werden“, sagte ein libyscher Regierungssprecher, „weil er alle seine Verbrechen gegen libysche Bürger begangen hat.“

Auch Frankreich fordert die Übergabe Senussis, denn er gilt als einer der Verantwortlichen für den Bombenanschlag auf ein französisches Verkehrsflugzeug, das 1989 über dem afrikanischen Staat Niger explodierte. Damals starben alle 170 Insassen. Ein Gericht in Paris verurteilte Senussi deswegen bereits in Abwesenheit zu lebenslanger Haft.

Den Berichten aus Mauretanien zufolge erwarteten französische und mauretanische Fahnder den weltweit gesuchten Senussi auf dem Flughafen in Nouakchott. Senussi kam mit einem Flug aus dem marokkanischen Casablanca und hatte einen gefälschten malischen Pass in der Tasche. Ralph Schulze

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