Politik : Der Schnee nimmt die Sicht

T. Metzner[R. Von Rimscha],T. Seibert

Technische Unwägbarkeiten, ungewöhnliche Wetterlagen und diplomatische Verwirrungen - sie alle begleiteten am Montag die Einsatzplanung für das deutsche Afghanistan-Kontingent. Der für gestern vorgesehene Abflug des deutschen Vorauskommandos ist auf den heutigen Dienstag verschoben worden. Wetterbedingt, wie Verteidigungsminister Rudolf Scharping am Montag sagte. Die 70 deutschen und 30 niederländischen Soldaten sollen nun am Mittwochabend in Kabul eintreffen, allerdings hänge auch dies, wie Scharping sagte, weiter vom Wetter in der Türkei ab, wo ein Zwischenstopp geplant ist. Das ist indes nicht so schlecht, wie die Abflugverzögerung des Vorauskommandos suggeriert. Linienmaschinen zumindest starten und landen regelmäßig.

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Der osttürkische Flughafen Incirlik spielt bei den Planungen offenbar keine Rolle. Dorthin fliegen bereits dreimal täglich die deutschen Transall-Maschinen, die zur Unterstützung der Operation "Enduring Freedom" abgestellt sind, also für den Krieg gegen den Terrorismus. Hiermit und mit der Überwachung der Flugverbotszonen in Irak ist Incirlik ausgelastet. Die Friedenstruppen der "Internationalen Sicherheits-Unterstützungs-Truppe" müssen sich einen anderen türkischen Flughafen zwischen Deutschland und Afghanistan suchen. Als eigentliches Nadelöhr gilt indes der Zielflughafen in Kabul. Wegen der momentan hohen Auslastung ist eine verlässliche Flugplanung dort kaum möglich. Selbst wenn die ersten Soldaten des Vorauskommandos also heute in die Türkei starten, ist zweierlei unklar: Wann das dortige Wetter den Weiterflug gen Afghanistan erlaubt, und wann dort Zeit für eine Landung ist.

Ein Sprecher des deutschen Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte, der Grund für die Abflugverzögerung sei eine Schneesturmwarnung für die Türkei gewesen. Auf eine Route über andere Staaten auszuweichen, sei nicht möglich gewesen, da für Militärtransporte im Unterschied zur zivilen Luftfahrt spezielle Überflugrechte eingeholt werden müssten, für die wiederum diplomatisch aufwändige Verfahren nötig seien. So hat beispielsweise Afghanistans nördlicher Nachbar Turkmenien Flugzeugen der deutschen Luftwaffe die Benutzung von Flughäfen verweigert. Bei Nato-Partnern wie der Türkei dagegen sei ein Überfliegen "kein Problem", so der Sprecher.

Trotz eisiger Kälte und heftigen Schneefällen gibt es im Luftverkehr in der Türkei allerdings keine unüberwindlichen Probleme. Die staatliche türkische Fluggesellschaft THY strich am Montag auf dem größten Flughafen des Landes, dem Istanbuler Atatürk-Airport, zwar einige Inlandsflüge und auch einen Auslandsflug ins bosnische Sarajewo. Doch die meisten Flüge konnten trotz der widrigen Wetterbedingungen starten und landen, wenn auch häufig mit Verspätung. Selbst Langstreckenflüge mussten nicht storniert werden. Am Wochenende war der Istanbuler Flughafen wegen dichten Schneefalls vorübergehend geschlossen worden; am Montag blieben die Start- und Landebahnen jedoch geöffnet. Von den ausländischen Fluglinien stornierte lediglich die griechische Gesellschaft Olympic die Verbindung zwischen Istanbul und dem ebenfalls eingeschneiten Athen.

Auch auf der südtürkischen Luftwaffenbasis Incirlik gab es nach Angaben der US-Streitkräfte keine Behinderungen. "Wir haben keine Probleme", sagte eine amerikanische Armee-Sprecherin in Incirlik. Das Wetter bereite keine Schwierigkeiten. Auch die Kontrollflüge amerikanischer und britischer Kampfflugzeuge von Incirlik nach Nordirak fanden wie gewohnt statt. Der Stützpunkt Incirlik ist in den vergangenen Monaten zu einer wichtigen Drehscheibe bei der logistischen Unterstützung des Afghanistan-Feldzuges geworden.

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