Politik : Der schnellste Wurm der Welt

Ein Computervirus soll einen US-Softwarehersteller lahm legen – und steckt in jeder dritten E-Mail

Kurt Sagatz

Jede dritte E-Mail, die derzeit in Europa über das Internet verschickt wird, enthält den Computervirus „Mydoom“ (Mein Untergang). Schneller hat sich kein Internet- Wurm zuvor verbreitet, egal ob er nun „I love you“, „Melissa“ oder „Sobig“ hieß. Inzwischen gibt es kaum noch einen Internet-Nutzer, dessen Postfach von Mails mit dem gefährlichen Inhalt verschont blieb.

Auf rund 60 000 schätzen die Experten die Gesamtzahl der Computerviren, jeden Monat kommen um die 400 neue hinzu. Vor allem das Internet und die elektronische Kommunikation via E-Mail machen es beinahe zum Kinderspiel, einen neuen Schädling zu programmieren und in Umlauf zu bringen.

Allerdings sind längst nicht alle neuen Varianten so gefährlich wie gerade „Mydoom“, der zwar keine Dateien zerstört, im Rechner aber eine Hintertür einrichtet. Durch diese werden – ohne das Wissen des PC-Besitzers – Angriffe auf Internet-Seiten gestartet.

Während viele Viren von so genannten „Skript Kiddies“ zur Stärkung des eigenen Egos nach dem Baukasten-Prinzip zusammengebastelt werden, hat „Mydoom“ ein eindeutiges Ziel. Der Wurm hat es auf das US-Unternehmen SCO abgesehen. Die Softwareschmiede liegt im Dauerzwist mit nahezu der gesamten Linux-Gemeinde, die sich als Alternative zur Microsoft-Vorherrschaft sieht. SCO erhebt für einen Teil der bislang freien Linux-Software Patentansprüche und versucht diese gerichtlich durchzusetzen. Das ärgert die Linux- Freunde. Der Virus wurde nun so programmiert, dass er in der Zeit vom 1. bis zum 10. Februar die Webseite von SCO so stark mit Anfragen bombardiert, dass sie unter dieser Last zusammenbricht. Zumindest im Internet würde das Unternehmen somit in dieser Zeit nicht mehr existieren.

Seit gestern ist auch eine „Mydoom“-Mutation im Umlauf, die es direkt auf Microsoft abgesehen hat. Neu ist diese Art des Internet-Protestes nicht. Auch das Weiße Haus wurde schon zum virtuellen Anschlagsziel. Mit den üblichen Scherzen der Internet-Szene haben Attacken wie diese allerdings nichts mehr zu tun. Inzwischen ist auch das US-Heimatschutzministerium aktiv geworden. Seit Mittwoch stellt die Behörde auf ihrer Internet-Seite eine Software zur Verfügung, mit der man sich gegen „Mydoom“ schützen kann.

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