Politik : Der Schweiger

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Von Thomas Migge, Rom

Vorschnelles Reden darf man sich von Giuseppe Pisanu nicht erwarten. Der neue italienische Innenminister ist bekannt für seinen, wie er ihn nennt, „zugenähten Mund“. Er werde sein Amt „als jemand ausführen, der zunächst schweigt, schweigt und noch einmal schweigt, und erst dann redet“, sagte er. Nachdem Claudio Scajola am Morgen zurückgetreten war, entschied sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi nur Stunden später für seinen Parteifreund Pisanu. „Der ist der Richtige“, meinte der Regierungschef.

Der 55-jährige Sarde Pisanu wird von der Zeitung „La Stampa“ als „relativ unbeschriebenes Blatt“ bezeichnet. Er kann keine glänzende Karriere auf der politischen Bühne vorweisen. Vor seiner Ernennung war er als Minister ohne Ressort für die Umsetzung des Regierungsprogramms zuständig.

Anders als beim letzten Mal handelte der Ministerpräsident schnell: Im Januar hatte es Berlusconi abgelehnt, nach dem Rücktritt von Außenminister Renato Ruggiero das Amt umgehend zu besetzen und es selbst übergangsweise übernommen. Der Übergang dauerte bis Donnerstag, als Berlusconi ankündigte, bis Ende Juli einen neuen Außenamtschef zu bestellen. Zuletzt hatten italienische Medien den Minister für den Öffentlichen Dienst, Franco Frattini, als aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt genannt.

Pisanus politische Laufbahn begann bei den Christdemokraten. Seine Abneigung gegen öffentliche Reden behinderte in den 70er und 80er Jahren seine Karriere. So wurde er unter Parteichef Zaccagnini nur Bürochef. Anfang der 80er Jahre war er Staatssekretär im Schatzministerium. Nach dem Zusammenbruch der Democrazia Cristiana wegen zahlloser nachgewiesener Korruptionsfälle wurde er Mitglied der christdemokratischen Nachfolgepartei CCD. 1994 wechselte er zur Forza Italia von Berlusconi. Der wusste die Verschwiegenheit Pisanus zu schätzen.

Pisanus Karriere hat einen dunklen Fleck. 1983 musste er als Staatssekretär zurücktreten, weil er nach dem Zusammenbruch des Geldinstituts Banco Ambrosiano die Hintergründe dieses Skandals mehrfach heruntergespielt hatte. Eine Parlamentskommission zum Fall der Banco Ambrosiano, die in engen Beziehungen zu der ultrarechten Geheimloge Propaganda 2 stand, warf Pisanu vor, dass er von diesen Beziehungen gewusst haben müsse, sie aber verschwiegen habe. Berlusconi war Mitglied der Propaganda 2.

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